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Was sehen wir im September am Firmament?

Am 1. September geht die Sonne gegen 20:20 unter, am 2. September geht sie gegen 6:50 wieder auf. Bis zum 30. September verfrüht sich der Sonnenuntergang auf 19:15, der Aufgang verspätet sich auf 7:34.
Am 22. September überquert die Sonne den Äquator nach Süden, dann sind Tag und Nacht gleich lang, der astronomische Sommer endet und der Herbst beginnt. Bis zum 21. März des kommenden Jahres werden auf der Nordhalbkugel die Nächte nun länger dauern als die Tage.
Am Septemberanfang wird es erst ab 22:30 richtig dunkel. Am Monatsende beginnt die astronomisch dunkle Nacht jedoch bereits gegen 21:00, die ersten Spuren der Morgendämmerung ziehen danach erst gegen 5:45 auf. Im Lauf des Septembers nimmt die Länge der dunklen Nacht somit um fast zwei Stunden zu.

Im September treten die als „Altweibersommer“ bekannten milden Hochdruckwetterlagen auf. Dann ist die Luft klar und trocken, es geht ein leichter Wind, die Temperaturen sind angenehm und die Luft ist nachts ruhiger als im Hochsommer. Am Fernrohr kann man nun häufiger mit Erfolg höhere Vergrößerungen einsetzen.

Im September kann das Beobachten des Sternenhimmels richtig Spaß machen: Die Nacht ist lang, es wird aber nicht zu kalt. An einem abgelegenen Beobachtungsplatz, fern von künstlichen Lichtquellen, kann man bei klarer, ruhiger Luft einen Sternenhimmel erleben, so hell und prächtig, dass man die hellen Sterne des Schwans in den Sternwolken der Milchstraße fast übersieht.


Übersicht
Anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang steht der Schwan mit seinem Hauptstern Deneb hoch im Zenit. Daneben leuchtet Wega in der Leier. Westlich der Leier erkennen wir das Sternmuster des Herkules. Südlich des Schwans sehen wir das kleine Sternbild Pfeil, und unter dem Pfeil das Sternbild Adler mit dem hellem Altair.
Im Westen leuchtet orange Arktur und zeigt die Lage des Bärenhüters. Unterhalb des Herkules erkennen wir die Sterne des Schlangenträgers und die Sterne von Kopf und Schwanz des Sternbilds Schlange. Über dem südlichen Horizont kann man die hellsten Sterne des Schützen erahnen. Westlich davon sehen die Sterne des Skorpions mit dem rötlich leuchtenden Antares niedrig über dem leicht aufgehellten Südwesthorizont.
Östlich des Pfeils sehen wir den markanten, kleinen Sternenrhombus des Delfins, und daneben leuchtet Enif im Pegasus. Südlich von Enif können wir mit etwas Glück einige hellere Sterne des Wassermanns erkennen. Über dem östlichen Horizont leuchtet hell Jupiter. Im Osten erhebt sich bereits das Sternenquadrat des Pegasus, und im Nordosten steht die Cassiopeia hoch am Himmel.


Herkules
Das Sternbild Herkules steht gegen 22:30 westlich des Sternbilds Leier noch angenehm hoch am Himmel. Hier ist der Kugelsternhaufen M13 ein ideales Objekt für den Einstieg .Man findet M13 auf der Linie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis mit dem Fernglas oder im Sucher als rundliches Nebelbällchen. Im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung und bei einer Vergrößerung ab 80x sieht man das Nebelbällchen als eine kugelige Ansammlung zahlloser, winziger Sterne.
Schwenkt man mit dem Fernrohr von Pi Herkulis ca. 6,3° nach Norden, stößt man auf M92, einen weiteren Kugelsternhaufen. Dieser Kugelsternhaufen ist so hell wie M13, doch stehen die Sterne in M92 dichter beisammen als in M13.
Schwenkt man sein Fernrohr von Rutilicus (Beta Herculis) ca. 4° nach Nordosten, findet man im Okular bei 50facher Vergrößerung einen 9m hellen, blaugrünlichen Stern in einem Feld schwacher Sterne. Steigert man die Vergrößerung nun auf 150x, sieht man den Stern als eine blaugrünliche Scheibe mit einem zentralen, weißen Stern. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6210.
Der Hauptstern des Sternbilds Herkules heißt Ras Algethi (Alpha). Wir finden diesen 3m hellen Stern im Südteil des Herkules, nahe bei Ras Alhague, dem hellsten Stern des Schlangenträgers. Ras Algethi ist ein Roter Überriese mit über 400 Sonnendurchmessern. Im Fernrohr zeigt sich Ras Algethi bei hoher Vergrößerung als enger, schöner Doppelstern: der hellere Partner ist orange, der schwächere leuchtet grünlich.
Ein weiterer schöner Doppelstern im Herkules ist der 4,8m helle 95 Herkulis. Wir finden ihn ca. 7° südlich von Theta Herculis. Die beiden Partner von 95 Herkulis stehen in einem Abstand von 6 Bogensekunden voneinander und sind schon in kleinen Fernrohren getrennt zu sehen. Seine beiden Partner leuchten golden bis weiß.


Sternbilder Schlangenträger und Schlange
Südlich des Sternbilds Herkules liegt das große Sternbild Schlangenträger. Es wurde im antiken Griechenland zum Andenken an den Arzt Asklepios geschaffen. Der Sage nach war Asklepios ein Sohn Apolls und erlernte vom Zentauren Chiron die Heilkunst. Indem er beobachtete, wie eine Schlange eine getötete Schlange mit einem Heilkraut zum Leben erweckte, fand Asklepios einen Weg, wie er Tote zurück ins Leben holen konnte. Als Hades, Bruder des Zeus und Herr des Totenreichs davon erfuhr, fürchtete er, dass es dadurch für sein Reich bald keinen Nachschub mehr geben würde. Daher bat seinen Bruder Zeus, den Asklepios töten zu lassen. Zeus kam dieser Bitte nach und versetzte den Asklepios zusammen mit seiner Schlange an den Himmel, um den vor Wut und Trauer rasenden Apoll zu besänftigen.
Der hellste Stern im Schlangenträger ist Ras Alhague (Alpha), er liegt im Norden des Sternbilds und stellt den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden Sterne Chelebalrai (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden die Schultern des Schlangenträgers. Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers. Westlich des Schlangenträgers kennzeichnen die Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis den nach oben gerichteten Hals der Schlange. Die Sterne Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bilden den kleinen, dreieckigen Schlangenkopf.
7,5° südwestlich von Unuk findet man im Fernglas ein rundliches Nebelwölkchen. Das ist der Kugelsternhaufen M5. M5 wird schon im Fernrohr mit 63 mm Öffnung leicht in einzelne Sterne aufgelöst.
Östlich des Schlangenträgers befindet sich der nach oben gerichtete Schwanz der Schlange, markiert durch die Sternenkette aus My Serpentis, Xi Serpentis, Sabik (Eta Serpentis) und schließlich Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern für kleine Fernrohre. Beide Partner sind hell und weiß.
Der Schlangenträger enthält die hellen Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Sie sind bereits im Fernglas zu entdecken. M12 liegt ca. 8,3° nordöstlich von Yed Prior und wird schon im kleinen Fernrohr in einzelne Sterne aufgelöst. M10 finden wir ca. 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Chelebalrai. In der Region südlich von Sabik befindet sich ein Dutzend weiterer Kugelsternhaufen, die in lichtstarken Fernrohren gesehen werden können. Diese Region liegt mitten in der Milchstraße und ist daher auch sehr reich an Sternen und Dunkelwolken. Bei mondlosem, klarem Himmel kann man hier im lichtstarken Fernglas und lichtstarken Teleskop schöne Beobachtungen machen.

Schild
Östlich vom Schwanz der Schlange liegt das kleine Sternbild Schild. Es enthält keine auffälligen Sterne und wird daher häufig übersehen. Das ist schade, denn es liegt mitten im Band der Milchstraße und enthält somit viele Sterne und Sternhaufen. Der schönste Offene Sternhaufen im Sternbild Schild ist M11, den wir ca. 4° südwestlich von Lambda Aquilae finden. Dieser Sternhaufen ist auch unter dem Namen „Wildentenhaufen“ bekannt. 2,5° südlich von M11 kann man im Fernrohr den kleinen Kugelsternhaufen NGC 6712 beobachten. Ca. 2° südwestlich von NGC 6712 finden wir im Fernglas den Offenen Sternhaufen M26.
Das Himmelsareal unmittelbar südlich von M11 enthält eine mächtige Milchstraßenwolke aus unzähligen, dicht beieinander stehenden Sternen, die „Schildwolke“. Die Schildwolke ist eine Stelle am Himmel, die uns einen von Dunkelwolken weitgehend unbehinderten Blick auf dichte Sternenmassen bietet, die bis zu 20000 Lichtjahre entfernt in der Nachbarschaft des Milchstraßenzentrums liegen. Unter dunklem, klarem Sternenhimmel kann diese von ausgedehnten Dunkelwolken umgrenzte Himmelsregion den Beobachter mit einem lichtstarkem Fernglas oder Kometensucher faszinieren.

Leier
Dieses kleine Sternbild steht gegen 22:00 fast im Zenit. Man findet es problemlos durch seinen hellsten Stern Wega (Alpha Lyrae). Wega ist 25 Lichtjahre entfernt, hat die dreifache Masse der Sonne und leuchtet mit 58 Sonnenleuchtkräften.
Der griechischen Mythologie zufolge stellt das Sternbild die Leier des Orpheus dar. Südlich von Wega bildet ein markantes Parallelogramm aus den vier Sternen Zeta, Gamma, Delta und Beta Lyrae den Rahmen dieser Leier.
Der Stern Sheliak(Beta Lyrae) befindet sich an der rechten unteren Ecke des Rahmens. Sheliak ist ein klassischer Veränderlicher Stern. Seine Helligkeit variiert sehr regelmäßig alle 12,9079 Tage zwischen 3,4m und 4,1m. Man kann die Veränderungen in der Helligkeit von Sheliak beim regelmäßigen Vergleich mit dem ca. 2° südöstlich stehenden, 3,5m hellen Gamma Lyrae gut wahrnehmen: Im Maximum ist Sheliak merklich heller als Gamma, im Minimum erscheint Sheliak deutlich schwächer.
Auf der Linie zwischen Sheliak und Gamma findet man im Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen den Ringnebel M57. Dieser kleine Planetarische Nebel wurde 1779 als erster seiner Art entdeckt, er erschien dem Entdecker im Fernrohr so groß wie Jupiter, aber sehr viel lichtschwächer, ähnlich wie ein verblasstes Planetenscheibchen. M57 sollte im Fernrohr hoch vergrößert werden, dann erscheint er wie ein matter Rauchring. Der 15m helle Zentralstern dieses Planetarischen Nebels ist nur in Fernrohren ab 12 Zoll zu erkennen.
Der Stern Delta Lyrae steht an der linken oberen Ecke des Rahmens und ist ein weit geöffneter Doppelstern („Delta 1“ und „Delta 2“). Im Fernrohr erkennt man im Gebiet um Delta 2 Lyra eine Ansammlung von Sternen. Dies ist ein Offener Sternhaufen, der ca. 600 Lichtjahre entfernt liegt und etwa so alt ist wie die Plejaden.
Zeta Lyrae an der rechten oberen Ecke des Rahmens ist ein Doppelstern. Die beiden Partner sind hell und weiß und stehen in 44 Bogensekunden Abstand voneinander.
Ein beeindruckender Doppelstern in der Leier ist Epsilon Lyrae. Wir finden diesen Stern ca. 1,5° nordöstlich von der Wega. Epsilon Lyrae erscheint Beobachtern mit gutem Sehvermögen schon mit dem bloßen Auge länglich. Im Fernglas sieht man Epsilon als Doppelstern: zwei gleich helle weiße Sterne mit einem schwarzen Zwischenraum. Im Fernrohr bei Vergrößerungen ab 100fach erscheint jeder der Partner seinerseits doppelt. Epsilon Lyrae besteht somit aus zwei Sternenpaaren.
7,5° östlich von Wega findet man den gelblichen 4,4m hellen Theta Lyrae. In Fernrohren mittlerer Öffnung findet man ca. 1° südöstlich von Theta den kleinen Offenen Sternhaufen NGC 6791. In kleinen Fernrohren sieht man NGC 6791 bei höherer Vergrößerung nur als ein diffuses Nebelchen, in das drei kleinere Sterne eingebettet sind. In Fernrohren größerer Öffnung zeigt dieser kleine Offene Sternhaufen bei klarem, dunklem Nachthimmel Hunderte schwache Sterne. NGC 6791 ist einer der ältesten Offenen Sternhaufen unserer Galaxis und über 6 Milliarden Jahre alt.


Schwan
Der Schwan ist ein eindrucksvolles Sommersternbild, er scheint mit ausgebreiteten Schwingen und lang gestreckten Hals durch den Nachthimmel zu segeln. Albireo (Beta Cygni) markiert den Kopf des Schwans, den Körper bildet Sadr (Gamma Cygni), den Schwanz bildet Deneb (Alpha Cygni). Der nördliche Schwanenflügel wird durch die beiden Sterne Delta Cygni und Iota Cygni gebildet, den südlichen Schwanenflügel markieren die beiden Sterne Gienah (Epsilon Cygni) und Zeta Cygni.
Wir schauen zunächst auf Albireo. Mit dem bloßen Auge betrachtet erscheint Albireo recht unscheinbar. Schon im Zweizöller bei niedriger Vergrößerung zeigt sich dieser 3m helle Stern als schöner, farbiger Doppelstern: ein Partner ist orange, der andere safirblau. Zwischen Albireo und Sadr liegt ein reiches Milchstraßenfeld, das für Beobachtungen mit einem lichtstarken Fernglas und mit Fernrohren aller Größen ideal ist. Der hellste Stern in diesem Gebiet ist der 3,9m helle Eta Cygni. Ca. 2,5° südsüdwestlich von Eta liegt Chi Cygni. Dies ist ein Veränderlicher Stern vom Mira-Typ, seine Helligkeit schwankt regelmäßig innerhalb von ca. 409 Tagen zwischen 3,5m und 14 m.
Ca. 5° nordwestlich von Deneb sehen wir mit dem bloßen Auge das helle Sternenpaar Omicron 1 Cygni und Omicron 2 Cygni. Omicron 1 ist ein Doppelstern, der hellere Partner ist orange, der kleinere Partner ist blau, und in 5 Bogenminuten Abstand zu beiden sehen wir im Fernrohr einen weiteren blauen Stern: Das ist 30 Cygni.
Auch Delta Cygni ist ein Doppelstern, um ihn zu beobachten ist eine Vergrößerung von mindestens 100fach erforderlich, da seine beiden Partner nur 2 Bogensekunden Abstand voneinander haben.
Ca. 5° nördlich von Delta sehen wir den 4,5m hellen Theta Cygni. 54 Bogenminuten östlich von Theta stoßen wir auf den 6,8m hellen 16 Cygni. 28 Bogenminuten östlich von 16 Cygni erkennen wir in einem Feld mit vielen schwachen Sternen bei hoher Vergrößerung ein rundliches, bläuliches Nebelchen. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6826. Wenn man im Fernrohr direkt auf diesen kleinen Nebel blickt, wird er unsichtbar, dann nimmt man nur noch den 10m hellen Zentralstern des Nebels wahr. Schaut man jedoch neben den Zentralstern (sog. „indirektes Sehen“), blinkt der Nebel im Gesichtsfeld wieder auf. Daher wird NGC 6826 auch als der „Blinkende Planetarische Nebel“ bezeichnet.
Ca. 1,4° südlich von Sadr liegt im Sternfeld der Milchstraße der Offene Sternhaufen M29. Er zeigt im kleinen Fernglas wenige, aber helle Sterne. Deutlich mehr Sterne bietet im größeren Teleskop der Offene Sternhaufen NGC 6819, der ca. 7,5° westlich von Sadr zu finden ist. Ein ausgedehnter Offener Sternhaufen ist M39, ca. 9° ostnordöstlich von Deneb.
Der Schwan enthält viele kleine Offene Sternhaufen, die im Fernrohr bei hoher Vergrößerung gut aufgelöst werden können, die aber vor dem sternenreichen Milchstraßenhintergrund in der Regel nicht sehr auffällig sind. NGC 6811 ist so ein kleiner Offener Haufen, der ca. 50 schwache Sterne enthält. Wir finden ihn bei Vergrößerungen von 50fach ca. 2° nordwestlich von Delta Cygni.

Wenn man in mondloser Nacht bei dunklem, klarem Himmel und fernab von störenden Lichtquellen die Region östlich von Deneb beobachtet, kann man dort mit dem bloßen Auge oder mit dem Fernglas den ausgedehnten Gasnebel NGC 7000 sehen, den auch als „Nordamerikanebel“ bekannt ist. Für die Beobachtung mit einem Teleskop ist dieser Nebel viel zu groß. Wenn die Beobachtungsdingungen so gut sind, dass der Nordamerikanebel zu sehen ist, kann man mit lichtstarkem Beobachtungsgerät auch den Cirrusnebel beobachten, der südlich des südlichen Schwanenflügels liegt. Der Cirrusnebel ist ein ausgedehnter Supernova-Überrest bietet und bietet im großen Fernglas einen fast geisterhaften Anblick. Bei Einsatz eines UHC- oder OIII-Filters wird dieser schwach leuchtende Nebel viel besser sichtbar.
Ca. 6° nordöstlich von Epsilon Cygni liegt der Doppelstern 61 Cygni. Seine Entfernung zur Erde wurde im Jahre 1831 von Friedrich Wilhelm Bessel durch Messung seiner Parallaxe zu 11,3 Lichtjahren bestimmt. 61 Cygni ist im Fernglas leicht zu sehen.


Pfeil
Das Sternbild Pfeil finden wir zwischen Schwan und Adler. Die drei Sterne Eta, Gamma und Delta Sagittae bilden den Schaft des Pfeils, Alpha und Beta Sagittae stellen die Steuerfedern dar. Abgeschossen wurde dieser Pfeil vermutlich von Herkules, dessen markantes Sternbild wir westlich des Pfeils sehen. Über das eigentliche Ziel des Pfeils geben weder die Mythologen noch die Astronomen der Antike Auskunft.
1,5° östlich von Delta Sagittae finden wir im lichtstarken Fernglas ein mattes Nebelfleckchen, das sich bei höherer Vergrößerung in Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung als dreieckiger Sternhaufen entpuppt. Dies ist der Kugelsternhaufen M71.
Ca. 4° westnordwestlich von Alpha Sagittae stoßen wir im Fernglas auf den ungewöhnlichen Sternhaufen Collinder 399, dessen helle Mitglieder sehr hübsch in Form eines Kleiderbügels angeordnet sind. Dieser „Kleiderbügelhaufen“ liegt schon im Sternbild Füchslein. Schon ca. 2° westlich dieses Kleiderbügelhaufens sind wir aber schon wieder im Gebiet des Sternbilds Pfeil, und hier liegt der 6,2m helle blauweiße Stern U Sagittae. Das ist ein Bedeckungsveränderlicher, dessen Helligkeit alle 81 Stunden für 1 Stunde und 40 Minuten ziemlich abrupt um drei Größenklassen auf 9,2m abfällt.

Füchslein
Das Füchslein ist ein unauffälliges Sternbild, da es keine hellen Sterne enthält. Es liegt südlich des Sternbilds Schwan und nördlich des Sternbilds Pfeil. Im Füchslein kann man den „Hantelnebel“ M27 und den „Kleiderbügelhaufen“ finden.
M27 ist ein großer und heller Planetarischer Nebel. Er liegt ca. 3,5° nördlich des 3,5m hellen Gamma Sagittae. Bei klarem, mondlosem Himmel ist M27 schon im Fernglas zu erkennen. Im Fernrohr zeigt er bei 100facher Vergrößerung eine symmetrische, seitliche Einschnürung, die M27 den Namen „Hantelnebel“ eingetragen hat. In Fernrohren größerer Öffnung kann man im Hantelnebel den 13m hellen Zentralstern und zahlreiche weitere feine Strukturen erkennen. Ein Nebelfilter (UHC, O III) ist hierbei sehr vorteilhaft.


24:00
Delphin

Den kleinen Sternenrhombus des Sternbilds Delfin finden wir zwischen Pegasus und Pfeil. Der östlichste Stern in diesem Rhombus ist Gamma Delphini. Schon im kleinen Fernrohr zeigt er sich als markanter Doppelstern. Die beiden gleich hellen Partner sind golden.
Ca. 3,5° südlich des Sternenrhombus befindet sich der 4m helle Epsilon Delphini, der auch „Deneb Dulfim“ heißt. Übersetzt bedeutet der Name „Schwanz des Delfins“. Ca. 4° südlich dieses Sterns kann man bei dunklem, klarem Himmel im lichtstarken Fernglas oder Fernrohr den kleinen Kugelsternhaufen NGC6934 auffinden.


1:00
Pegasus

Gegen 1:00 steht das Sternbild Pegasus ca. 60° hoch über den südlichen Horizont. Seine Hauptsterne Markab (Alpha), Scheat (Beta) und Algenib (Gamma) bilden gemeinsam mit Alpheratz (Alpha Andromedae) den Rumpf dieses Zauberpferdes, das seinen Bauch nach Norden reckt und ein Vorderbein zum Cepheus erhebt. Gut 17° westlich von Algenib finden wir den hellen Stern Enif (Epsilon Pegasi), und ca. 3° nordwestlich von Enif stoßen wir im Fernglas auf einen runden, im seinem Zentrum hellen Nebelfleck: das ist der Kugelsternhaufen M15. Erst in Fernrohren ab vier Zoll Öffnungen kann man ihn bei 100facher Vergrößerung in Einzelsterne aufgelöst sehen: Das ist immer ein schöner Anblick.
Gehen wir von Scheat 4°nach Nordwesten, stoßen wir auf Matar (Eta), einem Stern 3. Größe. Ca. 5° nordnordwestlich von Matar befindet sich die Spiralgalaxie NGC 7331. Als Objekt 10. Größe ist die Galaxie in kleinen Fernrohren leider schwierig zu sehen. Da sie knapp 65 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist, ist das auch nicht verwunderlich.


Andromeda
Am dunklen Himmel sehen wir bei guten Bedingungen gegen 2:00 von Ost nach West verlaufend das schimmernde Band der Milchstraße. In dieses eingebettet liegt nordöstlich von Pegasus das Sternbild Andromeda. Es ist flächenmäßig eines der größten Sternbilder am Himmel und viel größer, als es die Länge der Sternenkette der Andromeda vermuten lässt, die von Alpheratz (Alpha Andromedae) über Delta, Mirach (Beta) bis zu Alamak (Gamma Andromedae) reicht.
Südlich von Alamak lässt sich der ausgedehnte Sternhaufen NGC 752 am besten im Fernglas beobachten. Im kleinen Fernrohr zeigt er 60 Sterne, darunter mehrere verschiedenfarbige Doppelsterne. Die große Andromeda-Galaxie M31 ist unter dunklem Landhimmel manchmal schon mit bloßem Auge zu erkennen. Sie liegt unweit des Sterns Ny Andromedae. Im kleinen Fernrohr ist nur die helle Zentralregion dieser Galaxis zu sehen. Weil M31 am Himmel eine Längsausdehnung von über 4° hat, kann man diese 2,2 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie nur in lichtstarken Fernrohren und Ferngläsern mit großem Öffnungsverhältnis bei niedrigsten Vergrößerungen vollständig überblicken. Nahe bei M31 liegen die kleinen elliptischen Galaxien NGC 205 und M32, sie sind beide Begleitgalaxien von M31.
Ca. 4,5° östlich des 3,6 m hellen Omikron Andromedae kann man im Fernrohr den kleinen, aber hellen Planetarische Nebel NGC 7662 finden. Er ist im Fernglas als blaues Sternchen sichtbar, seine ringförmige Struktur zeigt er aber erst im Fernrohr bei einer Vergrößerung ab 150fach. Dieser Nebel ist auch als der „blaue Schneeball“ bekannt.
Ca. 1,6° südwestlich von NGC 7662 kann man im lichtstarken Fernrohr die kleine Galaxie NGC 7660 auffinden.

Cassiopeia
Das Sternbild Cassiopeia wird auch als das „Himmels-W“ bezeichnet. Es enthält mehrere helle Offene Sternhaufen. Einer der hübschesten dieser Haufen ist NGC 457 bei Phi Cassiopeiae, der auch unter dem Namen „Eulenhaufen“ bekannt ist. Mit etwas Phantasie erkennt man hier eine Eule aus Sternen, die den Beobachter mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Flügeln keck anfunkelt.
Weitere reizvolle Offene Sternhaufen in der Cassiopeia sind NGC 281, der ca. 1,5° östlich von Schedir (Alpha) liegt, sowie M103, ca. 1° nordöstlich von Ruchba (Delta). Es empfiehlt sich, diese Sternhaufen im lichtstarken Fernrohr zu beobachten, weil dann die individuellen Farben der einzelnen Haufenmitglieder schön zur Geltung kommen. Man sollte zugleich möglichst hoch vergrößern. Verlängert man die Verbindungslinie von Schedir über Caph um den Abstand dieser beiden Sterne hinaus, findet man dort im lichtstarken Fernrohr den Offenen Sternhaufen M52. Zwischen den Doppelsternen Rho und Sigma liegt der Offene Sternhaufen NGC 7889, mit Hunderten von lichtschwachen Sternen. Für die Beobachtung dieses Sternhaufens braucht man einen klaren Himmel und ein lichtstarkes Fernrohr.

Perseus
Betrachtet man im kleinen Fernglas Mirfak, den hellen Hauptstern des Sternbilds Perseus, sieht man ihn umgeben von zahlreichen hellen, blauweißen Sternen, dem Sternhaufen Melotte 20. Es handelt sich hierbei um eine so genannte Sternenassoziation.
Die beiden prächtigen Offenen Sternhaufen „h und chi“ liegen mitten auf der Verbindungslinie von Delta Cassiopeiae nach Gamma Persei. Sie faszinieren ihre Beobachter in jedem lichtstarken optischen Gerät, das ein großes Gesichtsfeld bietet. Ein weiterer ausgedehnter, aber viel lichtschwächerer Offener Sternhaufen ist NGC 1245, der 3° westlich von Mirfak zu finden ist. In der Verlängerung nach Westen stößt man auf den 2m hellen Algol (Beta Persei), dem bekanntesten bedeckungsveränderlichen Stern. Nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden fällt Algols Helligkeit für zehn Stunden von 2 m auf 3,5 m ab. Fünf Grad nordwestlich von Algol zeigt ein Fernglas den Offenen Sternhaufen M34. Für die Beobachtung mit dem Teleskop ist M34 zu ausgedehnt, aber man kann damit einige Doppelsterne erkennen.
Ca. 3,6° südlich von M34 zeigt ein lichtstarkes Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die Galaxie NGC 1023. Diese Spiralgalaxie ist ca. 20 Millionen Lichtjahre entfernt.
Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Er lässt sich auch bei niedrigen Vergrößerungen im Fernrohr leicht in Einzelsterne auflösen. Etwas mühsamer kann die Beobachtung von NGC 1513 werden. Dieser Offene Sternhaufen zeigt seine ringförmige Anordnung schwacher Sterne im Fernrohr erst bei höheren Vergrößerungen.
Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. Dieser Sternhaufen sollte man in kleineren Fernrohren mit höheren Vergrößerungen beobachten, damit man auch seine schwächeren Sterne sehen kann.
An der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt der „Kleine Hantelnebel“ M76. Wir finden ihn am einfachsten, wenn wir vom 2,3m hellen Doppelstern Alamak (Gamma Andromedae) ausgehen. Wenn wir unser Fernrohr von Alamak in Richtung auf Gamma Cassiopeia schwenken, stoßen wir dabei nach 7,5° auf den 3,5 m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae. 2° nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle, weiße Stern Phi Persei. 1° nördlich von Phi liegt M76. Bei dunklem Himmelshintergrund ist dieser kleine Planetarische Nebel auch schon im kleinen Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen sichtbar. M76 erscheint rechteckig.

Fische
Das Sternbild Fische liegt südlich des Pegasus. Alle Sterne in diesem Sternbild sind leider ziemlich lichtschwach: selbst der Hauptstern Alrischa (Alpha) ist nur ein Stern 4. Größe, und daher ist von dem Sternbild am Stadthimmel in der Regel kaum etwas zu sehen. Derzeit ist das Sternbild aber sehr leicht zu lokalisieren, da sich der -2,9m hell leuchtende Jupiter darin aufhält. Der Riesenplanet wandert hier auf seiner Oppositionsschleife nach Westen. Jupiter kann auch als Aufsuchhilfe für Uranus dienen. Im Fernglas lässt sich der 5,7m helle Uranus gut beobachten, Im Fernrohr zeigt er sich als kleines, olivgrünes Scheibchen von 3,7 Bogensekunden Durchmesser.
Außer den spektakulären Planeten bietet das Sternbild Fische weitere Objekte, die man mit dem Fernrohr beobachten kann. Alrischa ist ein enger Doppelstern, die gegenseitige Distanz der beiden Partner beträgt nur eine Bogensekunde. Ca. 12° nordwestlich von Alrischa liegt Zeta Piscium, ebenfalls ein Doppelstern. Schon im kleinen Fernrohr wird Zeta schön aufgelöst, seine beiden Partner erscheinen weiß.
Knapp östlich von Eta Piscium liegt die Galaxie M74. In der Regel ist der sternförmige helle Kern dieser Spiralgalaxie im Fernrohr recht leicht zu sehen, die ausgedehnte Halo dieser Galaxie wird aber erst unter einem dunklen, klaren Neumondhimmel in Fernrohren ab 15 cm Durchmesser bei niedrigster Vergrößerung wahrnehmbar.
Das Sternbild Fische liegt am Himmel abseits des Milchstraßenbandes. Daher enthält es keine Offenen Sternhaufen. Doch wenn man beim Beobachten ein lichtstarkes Fernrohr mit großer Öffnung einsetzt, kann man hier mit Erfolg auf Galaxiensuche gehen. Lichtschwache Galaxien mit einer Flächenhelligkeit ab 12m aufwärts finden sich in diesem Sternbild in großer Zahl.


Abschließender Überblick
Gegen 2:30 ist der Schütze untergegangen, der Adler steht jetzt im Südwesten. Nun beherrschen die Sternbilder Pegasus und Wassermann den Himmel und stehen im Meridian. Die Cassiopeia nähert sich dem Zenit. Östlich des Pegasus sehen wir Andromeda und darunter das Sternbild Dreieck. Der Große Bär ist über dem Nordhorizont kaum zu sehen. Nahe dem Zenit erkennen wir das kleine Sternbild Eidechse, und etwas nördlich davon das Sternbild Cepheus: Am Himmel ziehen die Herbststernbilder herauf. Und im Osten sehen wir die Plejaden, und Aldebaran funkelt rötlich über dem östlichen Horizont. Dort zeigt sich mit dem Stier schon das erste Wintersternbild.

Es sind nur noch wenige Stunden bis zum Morgengrauen. Der Sternenhimmel ist noch so schön. Aber von Westen weht ein leichter, kühler Wind, die Augen beginnen zu tränen. Also packen wir mit steifen Fingern unsere Geräte ein. Ein letzter Blick auf die Pracht über uns, und wir fahren durch die stillen Wälder nach Hause zu unseren warmen Betten.

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