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Das Sternbild Haar der Berenice - Lat. Coma Berenices - Abk. Com

Sternbild Haar der Berenike


Das Gebiet des Sternbilds Coma Berenices liegt zwischen dem Löwen im Westen, der Jungfrau im Süden, dem Bärenhüter im Osten und den Jagdhunden im Norden. Es ist sehr unauffällig. Sein hellster Stern Diadem erreicht nur eine Helligkeit von 4,3 m, die Sterne Beta Comae und Gamma Comae sind noch schwächer. In klaren, mondlosen Nächten erkennt man mit bloßem Auge südlich von Gamma Comae als Besonderheit dieser Region einen ausgedehnten, sehr matten Lichtschimmer, den Coma-Haufen.

In der Antike war das Gebiet des Sternbilds Coma Berenices ein Bestandteil des Sternbilds Löwe und stellte darin den Löwenschwanz dar. Der Coma-Haufen verkörperte die Quaste an der Schwanzspitze des Löwen.
Dann heiratete Ptolemäus III. von Ägypten im Jahre 285 v. Chr. seine Cousine Berenice von Cyrene, eine anmutige Dame mit ganz herrlichen blonden Locken. Das junge Glück wurde jedoch sehr rasch gestört, denn am Morgen nach der Hochzeitsnacht zog Ptolemäus in den Krieg gegen Syrien.. Berenice schwor, dass sie im Falle seiner siegreichen Rückkehr ihre schönen Haare auf dem Altar der Aphrodite im Tempel von Zephyrium bei Assuan opfern werde. Und so geschah es.
Es ist nicht überliefert, wie Ptolemäus auf den Anblick seiner geschorenen jungen Gattin reagiert hat, aber schon in der nächsten Nacht waren die schönen blonden Locken vom Altar der Aphrodite verschwunden. Das verursachte einiges Aufsehen, denn es handelte sich schließlich um eine persönliche Opfergabe der Königin. Der Hofastronom konnte die allgemein aufkeimende Aufregung erfolgreich dämpfen, indem er erklärte, die Götter selbst hätten diese herrlichen Haare der Königin Berenice voller Freude über deren Schönheit für ewig an den Himmel versetzt, dort seien sie nun für alle sichtbar im Sternbild des Löwen zu sehen. Mit dieser Maßnahme war die Wertschätzung der Götter für Ptolemäus und seine Berenice bewiesen, und nach und nach bürgerte sich unter den Astronomen die Vorstellung ein, im Coma-Haufen nicht mehr die Schwanzquaste eines Löwen, sondern die im Sternenlicht zart schimmernden Locken der schönen Berenice von Cyrene zu sehen.

1551 erstellte der Holländer Gerhard Mercator eine Sternkarte mit einem Sternbild namens Coma Berenices darin. Offensichtlich war das Wissen, dass "Coma Berenices" kein Sternbild, sondern eine Nebelchen im Löwen bezeichnen sollte, verloren gegangen. Diese Karte wurde in den folgenden Jahren von vielen Astronomen benutzt, und so fand "Coma Berenices" als Sternbild seinen Eingang in die wissenschaftliche Astronomie.
Das Sternbild Coma Berenices hat eine Fläche von 386 Quadratgrad. Es enthält einige schöne Doppelsterne, den Coma-Sternhaufen als zweitnächsten Offenen Sternhaufen an unserem Himmel, einen schönen Kugelsternhaufen und zahlreiche Galaxien. Diadem ist ein enger Doppelstern. Die beiden gleich hellen Partner umkreisen einander in 25 Jahren, wobei der Abstand im Fernrohr maximal 0,9 Bogensekunden erreicht. Diadem kann somit nur in Fernrohren großer Öffnung bei hoher Vergrößerung als Doppelstern gesehent werden. Ein weiterer schöner Doppelstern ist 35 Comae Berenices. Die beiden ungleich hellen Partner erscheinen orange (5,2 m) und blauweiß (9,2 m).
Der Coma-Sternhaufen ist 250 Lichtjahre entfernt. Er hat einen Durchmesser von über 4° und umfasst 37 Sterne. Er enthält keine echten Riesensterne. Seine hellsten Mitglieder sind die Sterne 14 Comae und 19 Comae mit je 50 Sonnenleuchtkräften. Aufgrund seiner Ausdehnung (sie beträgt ca. acht Vollmonddurchmesser!) kann der Coma-Sternhaufen nur im Fernglas beobachtet werden. Er ist auch unter dem Namen "Melotte 111" bekannt.

Richten wir unser Fernglas auf Diadem, finden wir ein Grad nordöstlich von Diadem einen rundlichen, kleinen Nebelfleck. Das ist der Kugelsternhaufen M53. Im Fernrohr erscheint er hell und zu seiner Mitte hin konzentriert. Aber erst im Fernrohr ab 5 Zoll Öffnung können die Randbereiche von M53 in einzelne Sterne aufgelöst werden. M53 ist 60000 Lichtjahre von uns entfernt.

Coma Berenices liegt am Himmel weit abseits von den Sternenwolken der Milchstraße. Daher kann man hier besonders tief ins All schauen. Mit einem entsprechend leistungsfähigen Fernrohr kann man hier zahlreiche Galaxien beobachten. Es ist in dem sternarmen Sternbild aber nicht leicht, diese Galaxien mittels der "Starhopping"-Methode aufzufinden Man muss das Sternbild daher vor der Beobachtungsnacht sorgfältig studieren. Zieht man eine Linie von Gamma Comae zu Diadem, kann man auf dieser Linie ca. 2,3° südöstlich von Gamma Comae in mittleren Fernrohren die schmale Lichtnadel der Galaxis NGC 4565 auffinden. Diese 9,6 m helle Spiralgalaxis sehen wir exakt in ihrer Kantenlage. Folgt man der Linie um weitere 6,3°, stößt man auf einen ovalen Lichtfleck, die Spiralgalaxis M64 "mit dem schwarzen Auge". Diesen poetischen Namen verdankt sie einer Dunkelwolke, die in der Galaxis existiert und bei hoher Vergrößerung und einer Öffnung ab acht Zoll erkennbar wird. 2° östlich von Gamma Comae befindet sich NGC4559, eine unregelmäßige ovale Galaxis, deren schwächere Ausläufer erst in Fernrohren ab acht Zoll erkannt werden können.
Die ovale Galaxis NGC 4494 finden wir ein halbes Grad östlich von 17 Comae.
Die Spiralgalaxis NGC4725 können wir 2° südlich von 31 Comae auffinden.


Die Galaxien M85, M88, M99 und M100 liegen im südlichen Teil des Sternbilds im Grenzbereich zum Sternbild Jungfrau. Aufgrund ihrer Entfernung von 60 Millionen Lichtjahren sind diese Galaxien nur bei sehr klarem ,dunklem Himmel in größeren Fernrohren leicht aufzufinden.

Besitzer von Fernrohren ab 10 Zoll Öffnung können versuchen, die hellsten Galaxien der Galaxienhaufen zu beobachten, die sich in den Tiefen des Sternbilds befinden. Zwei Grad westlich von Beta Comae liegt z. B. die 13 m helle elliptische Galaxis NGC 4889. Sie ist ca. 400 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und die hellste Galaxis des Coma-Galaxienhaufens mit seinen über 1000 Galaxien…

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