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Das Sternbild Fuhrmann - Autriga - Abk. Aur

Sternbild Fuhrmann


Schaut man an einem klaren Märzabend nach Sonnenuntergang Richtung Zenit, kann man über sich ein unregelmäßiges Fünfeck aus hellen Sternen erkennen. Direkt neben dem hellsten Stern in diesem Fünfeck bilden drei etwas schwächere Sterne ein markantes spitzwinkliges Dreieck. Diese acht Sterne zeigen die Lage des Sternbilds Fuhrmann an.

Der deutsche Name „Fuhrmann" ist bei dem Sternbild ein bisschen irreführend. Ein „Fuhrmann" war die Berufsbezeichnung für einen Lastenkutscher mit Pferdefuhrwerk in der Zeit, als es noch keine LKWs gab. Der lateinische Name des Sternbilds Fuhrmann ist „Auriga". Ein Auriga ist jedoch kein Lastenkutscher, sondern der Wagenlenker eines antiken Rennwagens, einer Quadriga. Somit stellt unser gemütliches Sternbild „Fuhrmann" eigentlich einen Rennfahrer dar. Johann Bode´s Himmelsatlas „Uranographia" aus dem Jahr 1782 zeigt das Sternbild Fuhrmann (Auriga) als einen Mann in dynamischer Pose, der eine Ziege auf der linken Schulter trägt. In der rechten Hand hält er ein zerrissenes Zaumzeug und eine vierschwänzige Peitsche. Von Pferden und von einem Wagen ist nichts zu sehen.
Das Sternbild Fuhrmann ist eines der 48 Sternbilder der klassischen Antike. Es wurde jedoch nicht von alten Griechen erfunden, sondern war schon zu ihrer Zeit antik. Die griechischen Astronomen übernahmen es aus Babylonien, wo es den Namen „Rukubi" trug („der Wagen"). Das Sternbild Rukubi stellte einen Wagen dar, dessen Wagenlenker eine kleine Ziege auf seiner linken Schulter trägt. Die Wurzeln des Sternbilds reichen zurück bis in die Zeit der Akkader um 2000 v. Christus.
Der hellste Stern im Sternbild Fuhrmann ist Capella. Capella ist ein der sechsthellste Fixstern am Nachthimmel und ein auffälliger Stern. „Capella" ist die lateinische Bezeichnung für eine kleine Ziege. Die alten Griechen nannten den Stern „Amalthea", nach der Ziege, die den kleinen Zeus am Berg Ida auf Kreta mit ihrer Milch säugte. In den ältesten arabischen Astronomiebüchern heißt der Stern „Al Rakib" (der Fahrer). Erst in späteren arabischen Texten wird Capella als „Al Anz" (Ziege) bezeichnet.

In der Mythologie des klassischen Altertums gibt es mehrere Erzählungen zu dem Sternbild. Die Römer sahen in ihm den Erichthonios, den an beiden Beinen gelähmten Sohn des Gottes Vulkan. Die Göttin Minerva zog den kleinen Erichthonios groß und lehrte ihn, wie man Pferde zähmt. Anschließend brachte sie ihm bei, wie er den von ihr erfundenen mit vier Pferden bespannten Rennwagen steuern musste, um damit auch als Gelähmter zügig vom Fleck zu kommen. Erichthonios erwies sich am Zügel als Naturtalent, alle Welt war von Erichthonios und seinen wagemutigen Fahrkünsten begeistert, und so wurde er schließlich als Sternbild an den Himmel versetzt.
In Griechenland gab es eine andere Geschichte zu dem Sternbild. Hier sah man in ihm ein Abbild des Myrtilos, der Wagenlenker und Chefmechaniker des Renngespanns des Königs Oinomaos war. Dieser König hatte eine wunderschöne Tochter namens Hippodameia, und viele Königssöhne der umliegenden Reiche warben bei Oinomaos um ihre Hand. Der König mochte seine Tochter aber nicht hergeben, und so bestimmte er, dass jeder Freier sich im Beisein von Hippodameia ein Wagenrennen mit dem König liefern musste. Der Freier erhielt mit seinem Wagen einen Vorsprung zugebilligt, musste Hippodameia aber auf seinem Wagen mitnehmen. Der König folgte mit seinem eigenen Gespann nach. Wenn er den Freier einholte, tötete er ihn, schlug ihm den Kopf ab und nagelte den blutigen Schädel an die Tore seines Palastes. Da Oinomaos das schnellste Gespann in ganz Griechenland hatte, hingen am Palasttor schließlich die Schädel von zwölf Königssöhnen in der Morgensonne, und bei diesem Anblick dämmerte es der schönen Hippodameia, dass es um ihre Heiratschancen ziemlich schlecht bestellt war.
Dann kam der süße Königssohn Pelops und warb um Hippodameia, und Hippodameia schmolz dahin und beschloss, dass der ihr Gatte werden müsse. Damit Pelops das Rennen um Leben und Tod mit ihrem Vater sicher gewinnen konnte, wandte sie sich an den Myrtilos, der eine Schwäche für sie hatte. Myrtilos versprach ihr, den Wagen seines Königs zu sabotieren. Als Gegenleistung versprachen Pelops und Hippodameia ihm eine heiße Liebesnacht mit Hippodameia, die sollte in deren Hochzeitsnacht mit dem Pelops stattfinden.
Myrtilos ging auf den Handel ein und löste am Tag des Rennens heimlich die Sicherungsstifte der Räder am Wagen des Königs. Bei der wilden Jagd auf den Pelops verlor der Wagen des Königs ein Rad, wodurch der Wagen sich überschlug und Oinomaos tödlich verunglückte. Kaum war der König aus dem Weg geräumt, betrog Pelops den Myrtilos und stieß ihn bei der Insel Euböa von einem Felsen ins Meer. Im Ertrinken verfluchte Myrtilos den Pelops und alle zukünftigem Kinder von Pelops und Hippodameia. Der Fluch muss gewirkt haben, denn der chronische Hass, der später zwischen den Kindern des Pelops ausbrach, wurde zu einem tragenden Thema in der griechischen Tragödiendichtung.

Amalthea war der Name der Ziege, die den kleinen Zeus mit ihrer Milch nährte, sodass aus dem Götterbaby später der mächtige, charmante und Blitze schleudernde Göttervater werden konnte. Zum Dank wurde sie von Zeus an den Himmel versetzt. Man sieht sie im Sternbild als den Stern Capella. Die drei Sterne, die neben Capella ein spitzes Dreieck bilden, stellen ein Horn der Ziege dar, welches der kleine Zeus der Amalthea beim Spielen abbrach. Dieses Horn galt als ein Zauberhorn: was immer sich sein Besitzer wünschte, sollte in stetigem Strom daraus hervorkommen, man nannte es das Füllhorn der Fortuna, das Tischlein-Deck-Dich des Altertums. Die drei Sterne heißen heute Epsilon, Eta und Zeta Aurigae. Eine andere mythologische Erklärung des Sternendreiecks sieht in den drei Sternen die drei Zicklein der Amalthea, die hoffnungsvoll bei ihrer Mutter ausharren, während Amalthea mit ihrer Milch den Zeus füttert. Im englischsprachigen Raum nennt man diese drei Sterne daher „the kids" (die Kinderchen).

Das Sternbild Fuhrmann grenzt am Himmel an fünf Sternbilder. Im Westen liegt das Sternbild Perseus, im Norden das Sternbild Giraffe, im Nordosten das Sternbild Luchs, im Südosten liegen die Zwillinge und im Süden erstreckt sich das Sternbild Stier. In der Antike gab es die Sternbilder Luchs und Giraffe noch nicht, deren Sterne waren in der Antike überwiegend dem Sternbild Fuhrmann zugeordnet, somit war damals das Sternbild Fuhrmann größer als es das heute ist.
Heute nimmt das Sternbild unter den 88 Sternbildern flächenmäßig den 21. Rang ein. Seine Fläche beträgt 657 Quadratgrad. Da es mitten in der Milchstraße liegt, ist es reich an hellen Sternen und Offenen Sternhaufen.

Capella (Alpha Aurigae) ist ein 0m heller Stern der Spektralklasse G5, er ist 42 Lichtjahre entfernt. Capella ist ein bekannter Doppelstern, die beiden Partner sind helle Riesensterne, die im Abstand von 70 Millionen Kilometern voneinander stehen und einander in 104 Tagen umkreisen. Da ihr gegenseitiger Winkelabstand nur 0,05 Bogensekunden beträgt, kann Capella in keinem Teleskop getrennt gesehen werden. Den Doppelsterncharakter kann man nur im Spektrum von Capella erkennen, daher ist Capella ein so genannter spektroskopischer Doppelstern.

7,5° östlich von Capella steht der 2m helle Stern Beta Aurigae (Menkalinan), auch er ist ein spektroskopischer Doppelstern, dessen Partner aber viel enger beieinander stehen und einander in vier Tagen einmal umkreisen. Da die beiden Partner von Menkalinan sich dabei gegenseitig regelmäßig verdecken, ändert die Helligkeit von Menkalinan alle vier Tage geringfügig.
Der früher als Gamma Aurigae bezeichnete Stern Nath liegt auf der Grenze zum Sternbild Stier und trägt zugleich den Namen Beta Tauri. Da Nath heute zum Sternbild Stier gerechnet wird, enthält das Sternbild Fuhrmann offiziell keinen Stern „Gamma" mehr.

Ca. 7,6° südlich von Menkalinan liegt der 2,7m helle blauweiße Stern Theta Aurigae. Theta ist ein Doppelstern, sein 7,5m heller gelblicher Partner steht in 3,5 Bogensekunden Abstand. In Teleskopen ab vier Zoll Öffnung kann Theta bei hoher Vergrößerung getrennt gesehen werden. Der 2,8m helle Stern Epsilon Aurigae befindet 3,5° südwestlich von Capella und bildet die Spitze des Sternendreiecks bei Capella. Epsilon ist ein Überriese der Leuchtkraftklasse Ia, 3000 Lichtjahre von uns entfernt. Epsilon ist ein bedeckungsveränderlicher Doppelstern, die beiden Partner umkreisen einander einmal in 27 Jahren. Dabei wird der Kleinere der beiden Partner vom Größeren für fast zwei Jahre teilweise verdeckt, wodurch die Helligkeit Epsilons von 2,9m auf 3,7m absinkt. Nur der kleinere Partner mit immerhin 160 Millionen Kilometern Durchmesser sendet in diesem Doppelstern Licht aus. Der Größere der beiden ist vollkommen finster, dabei teilweise lichtdurchlässig und hat einen Durchmesser von mindestens 3 Milliarden Kilometern. Die nächste Verfinsterungsperiode von Epsilon findet von 2009 - 2011 statt.
Ca. 10,6° südlich von Epsilon liegt der 2,7m helle Iota Aurigae. Zwischen Epsilon und Iota liegt der 3,8m helle Stern Zeta Aurigae. Zeta ist 800 Lichtjahren entfernt und ein bedeckungsveränderlicher Stern: ein Roter Riese mit 300 Millionen Kilometern Durchmesser und ein blauer Hauptreihenstern von 6 Millionen Kilometern umkreisen einander einmal in 2,8 Jahren, wobei der Rote Riese seinen kleineren Partner 38 Tage lang jeweils vollständig verdeckt. Die Helligkeit von Zeta sinkt dabei geringfügig ab, zugleich ändert Zeta dabei seine Farbe und wird rötlicher. Eta Aurigae ist ein 3,2m heller blauer Stern dicht bei Zeta Aurigae. Da Eta kein veränderlicher Stern ist, kann man ihn gut als Vergleichsstern für die Beobachtung von Epsilon und Zeta verwenden.
Zwischen Zeta und Iota liegt der 5m helle Doppelstern Omega Aurigae. Die beiden 5m und 8m hellen Partner stehen im Abstand von fünf Bogensekunden voneinander. Ein weiterer Doppelstern ist der 4m helle Stern Ny Aurigae. Ny liegt nahe bei Theta auf der Linie von Theta nach Capella.

Einer der schönsten Offenen Sternhaufen des winterlichen Sternhimmels ist M37, er liegt links der Mitte einer gedachten Linie von Theta zu Nath. M37 enthält über 150 Sterne heller als 13m. Der Offene Sternhaufen M38 steht ihm in der Helligkeit nur wenig nach, er liegt auf der Mitte der Linie zwischen Theta und Iota Aurigae. Der Offene Sternhaufen M36 liegt ungefähr in der Mitte zwischen M37 und M38. Diese drei Sternhaufen sind über 4000 Lichtjahre entfernt.
Neben diesen bekannten und oft beobachteten Sternhaufen bietet der Fuhrmann weitere schöne Deep-Sky-Objekte. Der kleine Offene Sternhaufen NGC 1907 liegt 0,5° südlich von M38. Der Offene Sternhaufen NGC 2281 ist der hellste Sternhaufen im Fuhrmann. Er liegt auf der Linie von Menkalinan (Beta Aurigae) nach Castor, in einem Abstand von 9° zu Menkalinan. NGC 2281 ist ca. 2000 Lichtjahre entfernt und erscheint dadurch am Himmel ausgedehnter als die weiter entfernten Offenen Sternhaufen. NGC 2281 enthält auffällig viele helle, blauweiße Sterne.

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