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Das Sternbild Giraffe - Lat. Camelopardalis - Abk. Cam

Sternbild Giraffe


Giraffen gibt es nicht nur im Zoo und auf Safari zu sehen, es gibt auch eine am Himmel. Aber diese Giraffe schaut dort kaum jemand an.
Und das ist kein Wunder!
Sie ist dort zwischen den auffälligen Sternbildern Cassiopeia, Perseus, Führmann, kleiner Bär und großer Bär hervorragend getarnt. Blickt man auf das Gebiet des Sternbilds Giraffe, wandert das Auge von dort immer wieder weg zur einprägsamen Cassiopeia mit ihren hellen Sternhaufen, oder zum Perseus mit h und Chi, oder zum Fuhrmann mit M36, M37 und M38. Wir schätzen als Beobachter helle Sterne als Orientierungshilfe am Himmel, und unsere Aufmerksamkeit wird dadurch geleitet. So bleibt die Giraffe unbeobachtet und heimlich im Dunkel der Nacht …

Die Griechen kannten das Himmelsareal zwischen Cassiopeia, Perseus, Führmann, kleiner Bär und großer Bär auch, sie gaben ihm aber keinen Namen. Denn die wenigen schwachen Sternchen, die dort in klaren Nächten zu sehen waren, inspirierten sie nicht zu einem Sternbild. Auch die Römer ließen dieses Stück Himmel wie die Griechen links von der Cassiopeia liegen, und so blieb es bis zum Beginn der Neuzeit unbeachtet.

Dann wurde das Fernrohr erfunden und auch am Himmel eingesetzt. Wenn man sich mit diesem neuen Gerät am Himmel zurechtfinden wollte, brauchte man Sternkarten. Bei deren Erstellung fiel das "leere Stück Himmel" den Herstellern der Sternkarten nun störend auf. Der Schwiegersohn von Johannes Kepler war Jakob Bartsch, ein Mathematikprofessor in Straßburg. Er erstellte 1624 eine drehbare Sternkarte und setzte hierauf in das Areal zwischen Cassiopeia, Perseus, Führmann, Kleinem Bär und Großem Bär das Sternbild Giraffe.

Foto

In Griechenland hatte man für das Tier, das wir "Giraffe" nennen, die Bezeichnung "Camelopardalis". Dieser Name beschreibt ein Kamel, das wie ein Leopard gefleckt ist. Die Griechen kannten Giraffen wohl nicht aus eigener Anschauung und stellten sich Giraffen als eine Art "Kamel im Leopardenkostüm" vor. Da Griechisch auch im Jahre 1624 die Sprache der Wissenschaft war, kam das Sternbild Giraffe als "Camelopardalis" in die astronomische Welt.

Das Sternbild Giraffe reicht vom Perseus bis zum Kleinen Bären. Es ist zirkumpolar und umfasst am Himmel eine Fläche von 757 Quadratgrad. Damit ist es flächenmäßig etwa so groß wie die Cassiopeia oder der Fuhrmann. Was ihm fehlt, sind helle Sterne. Alpha Camelopardalis ist ein Stern von 4,3m und der Spektralklasse B0.
Beta Camelopardalis ist ein G0-Stern von 4,0m. Gamma Camelopardalis ist ein A0-Stern von 4,6m. Dies sind die drei hellsten Sterne des Sternbilds, und sie haben keine Eigennamen.

Da das Sternbild Giraffe nahe der Milchstraße liegt, findet man darin einige offene Sternhaufen. Sehenswert ist NGC 1502. Er enthält mehrere helle Doppelsterne und liegt auf der Linie von Alpha Camelopardalis nach Gamma Persei, in etwa 1/3 des Abstands zu Gamma Persei von Alpha Camelopardalis entfernt. Betrachtet man diese Gegend im großen Fernglas, sieht man eine ca. 2,5° lange Sternenkette, die direkt auf NGC 1502 zielt: Das ist "Kemble`s Kaskade". Vor allem bei dunklem Himmelshintergrund bietet diese Sternenkette einen schönen Anblick: Eine funkelnde Kaskade von Sternen, die in NGC 1502 hineinstürzt.

Das Sternbild Giraffe weist außerdem einige interessante Galaxien auf.
Bekannt ist die Spiralgalaxis NGC 2403 vielen zumindest dem Namen nach. Sie liegt in einem sternarmen Gebiet "in the middle of nowhere"und ist mit 8,5m eine der hellsten Galaxien des nördlichen Himmels. Ihre Abmessungen betragen 7 x 4 Bogenminuten, sie liegt 1° westlich des Sterns 51 Camelopardalis in 10,5 Millionen Lichtjahren Entfernung. Die Galaxis hat einen hellen Kern in einer ovalen Halo. Im Juli 2004 leuchtete hier eine helle Supernova auf, trotz ihrer gewaltigen Entfernung erschien sie damals visuell als Stern 11. Größe und war damit schon in einem kleinen Fernrohr leicht zu sehen. Ca. 3° südsüdwestlich von Gamma Camelopardalis liegt die große Galaxis IC 342. Diese Galaxis steht am Himmel "face-on" und bedeckt ein Areal von über. 600 Quadratbogenminuten. IC 342 hat einen kleinen, recht hellem Kern, der mit einer ausgedehnten Halo mit einer extrem niedriger Flächenhelligkeit umgeben ist. Es bedarf eines sehr dunklen Himmels und hoher Transparenz der Luft, um die riesige Halo dieser ca. 8 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxis wahrnehmen zu können. Man muss die Vergrößerung möglichst niedrig wählten, damit die Halo erkennbar wird. Hierfür ist ein Fernglas mit großer Öffnung das ideale Beobachtungsgerät.

In der äußersten Nordostecke des Sternbildes ist bei dunklem, klarem Himmel die Galaxis NGC 2655 erkennbar. Sie liegt in der Nähe des Himmelsnordpols, ca. 3,5° südsüdwestlich des 4,3m hellen K2-Sterns PPM 001634, der die Schwanzspitze des Sternbildes Drache markiert. Der Kern der 10,5m hellen Galaxis erscheint als kleiner, runder Fleck im Vierzöller, mit Öffnungen ab 12 Zoll ist auch die Halo dieser Galaxis erkennbar.

Besitzer großer Dobson-Teleskope können im nördlichen Bereich des Sternbilds Giraffe zahlreiche Galaxien 11. und 12. Größe beobachten. Der südliche Bereich des Sternbilds liegt so nahe an der Milchstraße, dass durch den reichen Vordergrund an Sternen und galaktischen Staubwolken in dieser Region nur wenige Galaxien wahrnehmbar sind.

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