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Das Sternbild Großer Hund - Lat. Canis Maior - Abk. CMa
Das Sternbild Großer Hund ist eines der 48 klassischen Sternbilder der Antike. Es soll gemeinsam mit dem Sternbild Kleiner Hund die beiden Jagdhunde des Orion darstellen. Schon im dritten Jahrhundert vor Christus schilderte der Dichter Aratos von Soloi in seinem berühmten Astronomie-Lehrgedicht „Phainomena“, wie der Große Hund als Wachhund auf seinen Hinterbeinen laufend mit Sirius im Maul treulich Orion am Himmel folgt. Doch dieses hübsche Bild passt nicht zu Orion, denn der holte seine Beute im schnellen Lauf ein und schlug sie mit seiner Keule aus Bronze tot. Sein Jagdstil war etwas unorthodox, kam jedoch völlig ohne Hunde aus.
Der Astronom und Dichter Eratosthenes von Kyrene (das war der Eratosthenes der den Umfang der Erde erstmals bestimmte) führt das Sternbild auf den Hund Lailaps zurück. Lailaps war ein Jagdhund, der so schnell war, dass ihm keine Beute entkommen konnte. Zeus machte diesen Hund seiner Geliebten Europa zum Geschenk, deren Sohn Minos schenkte ihn der Prinzessin Prokris von Athen, die den Jäger Kephalos heiratete. Während eines Jagdausflugs verwechselte Kephalos seine Prokris im Gebüsch leider mit einem Reh und durchbohrte sie mit seinem Speer. Deshalb wurde Kephalos nach Theben in die Verbannung geschickt und nahm den Lailaps mit. Im Königreich Theben gab es eine Füchsin, die durch einen Beschluss der Götter von nichts und niemandem eingefangen werden konnte, und da sie sie keiner erwischen konnte, richtete sie beim Vieh und beim Jagdwild großen Schaden an. Bauern, Hirten und Jäger waren zusehends verzweifelt. Daher setzte Kephalos seinen Lailaps auf diese Füchsin an. Fortan jagte der Hund, dem keine Beute entgehen konnte unaufhörlich hinter der Füchsin her, die nicht gefangen werden konnte. Schließlich hatte Zeus ein Einsehen und machte dieser sinnlosen Jagd ein Ende, indem er Lailaps als Sternbild an den Himmel versetzte. In Ägypten sah man in dem Sternbild eine Verkörperung des schakalköpfigen Totengotts Anubis. Die Römer sahen aus dem Sternbild eine himmlische Darstellung des dreiköpfigen Cerberos, dem Wachhund des Totenreichs. Cerberos ließ jedermann freundlich ins Totenreich ein, aber er ließ niemanden hinaus. Das Sternbild Großer Hund liegt weit südlich des Himmelsäquators. Es ist umgeben von den Sternbildern Orion, Einhorn, Puppis, Taube und Hase. Es ist ein Wintersternbild und kulminiert am 1. Januar. Trotz seines Namens ist der Große Hund kein besonders großes Sternbild, mit seiner Fläche von 380 Quadratgrad liegt es in der Liste der Sternbilder auf dem 43. Rang, es ist deutlich kleiner als der Krebs oder der Widder. Dafür bietet es dem Auge jedoch viele helle Sterne und zieht dadurch seit Jahrtausenden alle Blicke auf sich: Es enthält Sirius, den hellsten Fixstern am Himmel. „Reich gekleidet und vielfarbig kommt er daher, er funkelt rasant und wechselt dabei die Farben von Rubin über Safir nach Smaragd und Amethyst. Und je höher er am Himmel steigt, desto dominanter wird er, seine Strahlen funkeln prachtvoller als der prächtigste Brilliant, nicht nur einfach rein weiß, sondern in allen Farben irisierend“. Im Fernrohr ist Sirius schlicht umwerfend. Er erscheint hier so hell, dass sein Anblick im Fernrohr die Dunkelanpassung der Astronomenaugen für die Deep-Sky Beobachtung ruinieren kann. Man sollte sich Sirius ähnlich wie den Mond als Abschlussobjekt für die Beobachtungsnacht aufheben. Im Alten Ägypten kündigte der Aufgang des Sirius am Morgenhimmel zur Sommersonnenwende die Zeit der nahenden Nilüberschwemmungen an. Der Name Sirius kommt aus dem Griechischen und bedeutet „der Sengende“. In Griechenland machte man ihn für die heftige Sommerhitze verantwortlich, die im Juli ihren Höhepunkt erreicht. Da Sirius der Hauptstern im Großen Hund ist, nennt man diese Tage auch heute noch die „Hundstage“. Sirius ist ein Stern der Spektralklasse A1. Er ist 8,6 Lichtjahre von uns entfernt, 550.000 Mal weiter als der Abstand der Erde von der Sonne. Sirius hat die dreiundzwanzigfache Leuchtkraft der Sonne, 2,3 Sonnenmassen und 1,8 Sonnendurchmesser. Er wandert pro Jahr um ca. 1,324 Bogensekunden in Richtung 206°, in 2000 Jahren macht das eine Verschiebung von ca. 1,5 Vollmonddurchmessern aus. Vor 4000 Jahren stand Sirius am Himmel ca.1,5° weiter nördlich als heute. Sirius ist ein Doppelstern, sein Begleiter ist Sirius B, ein Weißer Zwergstern von einer Sonnenmasse und einem Durchmesser von nur 30.000 km. Obwohl Sirius B zurzeit acht Bogensekunden Abstand von Sirius hat und mit seiner Helligkeit von 8,6m in jedem kleinen Teleskop zu sehen sein sollte, ist die Beobachtung von Sirius B durch sehr schwierig, da der -1,4m helle Sirius zehntausend Mal heller ist als Sirius B und den Weißen Zwerg völlig überstrahlt. Man braucht eine sehr gute Luftruhe und muss im langbrennweitigen Fernrohr großer Öffnung sehr hoch vergrößern, um die Chance zu bekommen, Sirius B am Okular mit eigenen Augen zu sehen. Sirius B wurde 1862 von Alvan Clarke mit einem 18-zölligen Refraktor entdeckt. Bereits vorher war durch die langfristige Beobachtung der Eigenbewegung des Sirius bekannt, dass der Begleiter existierte, man hatte aus diesen Messdaten längst die Umlaufperiode und die Masse von Sirius B bestimmt. 1862 ging die Nachricht von der Entdeckung von Sirius B durch die Weltpresse. Seit 1863 wurde Sirius B in allen Neuausgaben der Lexika und Enzyklopädien beschrieben. Erstaunlicherweise wunderte sich noch 1975 ein bekannter Autor gemeinsam mit einer breiten Leserschaft öffentlich darüber, dass das Volk der Dogon im Mali über Sirius B, die Stellung der Sonne im Sonnensystem und die vier Jupitermonde bereits um 1930 gut Bescheid wusste. Dabei waren diese astronomischen Kenntnisse damals seit vielen Jahrzehnten in jeder Enzyklopädie nachzulesen, selbst in Mali. Quer durch das Sternbild Großer Hund verläuft von Nordwest nach Südost die Wintermilchstraße. Daher ist das Sternbild reich an Offenen Sternhaufen und hellen Sternen. Offensichtlich hat es hier vor einigen Millionen Jahren eine Phase intensiver Sternbildung gegeben, die sich nun im benachbarten Sternbild Orion fortsetzt. Ein Kennzeichen einer vor kurzem abgelaufenen Sternentstehung ist das Vorhandensein von heißen jungen Überriesen der Spektralklasse B. Davon gibt es im Sternbild Großer Hund eine Menge: Ca. 5,5° westlich von Sirius liegt der 2m helle Mirzam (Beta Canis Majoris). Mirzam ist ein Stern der Spektralklasse B1, ein Riese mit 7600 Sonnenleuchtkräften in 465 Lichtjahren Entfernung. Ca. 8,3° südsüdöstlich von Sirius liegt der 3m helle Omicron 2 Canis Majoris, ein Überriese mit 70.000 Sonnenleuchtkräften in ca. 3400 Lichtjahren Entfernung. 2,6° weiter südsüdöstlich liegt der 1,8m helle Wezen (Delta Canis Majoris). Wezen ist ein Überriese in 2100 Lichtjahren Entfernung, mit über 50.000 Sonnenleuchtkräften. 4,5° südöstlich von Wezen liegt der 2,5m helle Aludra (Eta Canis Majoris), ebenfalls ein Überriese, 2700 Lichtjahre entfernt, mit über 55.000 Sonnenleuchtkräften. 3,5° südwestlich von Wezen liegt der 1,5m helle Adhara (Epsilon Canis Majoris), Adhara ist 680 Lichtjahre entfernt und hat 9.000 Sonnenleuchtkräfte. Adhara ist ein Doppelstern, der 8m helle Begleiter steht in 7 Bogensekunden Abstand. Ca. 4,5° östlich von Sirius liegt der 4,1m helle Muliphein (Gamma Canis Majoris).Um 1600 war Gamma der dritthellste Stern im Sternbild, 1670 verschwand er für 23 Jahre, seitdem wird er langsam wieder heller. Gamma ist ein Riese des Spektraltyps B8 mit 2700 Sonnenleuchtkräften. 3,8° nordöstlich von Sirius liegt der 4,6m helle Doppelstern My Canis Majoris. Die beiden unterschiedlich hellen Partner stehen voneinander in drei Bogensekunden Abstand, der hellere ist gelb, der schwächere weiß. Ca. 2,6° nordöstlich von Wezen liegt der 4,4m helle Tau Canis Majoris. Tau liegt mitten im Offenen Sternhaufen NGC 2362. Es ist einer der jüngsten Offenen Sternhaufen, knapp eine Million Jahre alt und reich an jungen, heißen Überriesensternen. Tau hat über 50 Sonnenmassen und ca. 50.000 Sonnenleuchtkräfte. NGC 2362 enthält ca. 40 Sterne und ist in jedem Teleskop sehr schön anzuschauen. Ca. 4° südlich von Sirius liegt der helle Offene Sternhaufen M41. Er lässt sich am besten bei niedrigen Vergrößerungen beobachten. Schon Aristoteles hat M41 um 365 vor Christi Geburt als „nebliges Fleckchen“ unterhalb von Sirius erwähnt. M41 enthält über 100 Sterne und ist ca. 2300 Lichtjahre entfernt. Ca. 3,5° östlich von Gamma Canis Majoris liegt der Offene Sternhaufen NGC 2360. Er ist ausgedehnt und enthält viele schwache Sterne. Im kleinen Teleskop sollte man ihn nicht zu hoch vergrößern. Im Zwölfzöller zeigt NGC 2360 über 100 Sterne. Das Sternbild Großer Hund enthält viele leuchtschwache Offene Sternhaufen. Aufgrund seiner horizontnahen Lage am Himmel behindern Horizontdunst und Lichtverschmutzung häufig die Beobachtung dieser Objekte. Doch wenn die Beobachtungsbedingungen gut sind, lohnt es sich, mit Fernglas und Fernrohr im Großen Hund auf die Jagd zu gehen |
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