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Das Sternbild Wasserschlange - Hydra - Abk. Hya
Das Sternbild Hydra gehört zu den 48 klassischen Sternbildern der Antike. Es stammt ursprünglich aus der babylonischen Astronomie und trug dort den Namen MUS. Die ältesten heute bekannten bildlichen Darstellungen des Sternbilds stammen aus dem Seleukidenreich des 4. Jahrhundert vor Christus. In der griechischen Mythologie gibt es zwei Erzählungen, die mit dem Sternbild Hydra verbunden sind.
Die eine berichtet von Apollo, der seinen sprechenden Raben mit einem Becher zu einer fernen Quelle schickte, von der ihm der Rabe einen Trunk frischen Wassers bringen sollte. Auf dem Weg zu der Quelle traf der Rabe auf einen Feigenbaum, dessen Früchte fast reif waren. Anstatt zur Quelle zu fliegen und Apollo das Wasser zu bringen, ließ sich der Rabe auf den Baum nieder und wartete dort einige Tage ab, bis die Feigen reif waren. Dann fraß er sich an den leckeren Früchten satt, flog gelassen zur Quelle und füllte den Becher mit Quellwasser. Zugleich dachte er darüber nach, mit welcher Ausrede er den mittlerweile gewiss recht wütenden Apollo beschwichtigen könnte, und während er überlegte, fiel sein Blick auf eine kleine Wasserschlange, die in der Quelle umher schwamm. Der Rabe packte die Schlange, hackte sie mit ein paar kräftigen Schnabelhieben zu Tode und flog mit dem gefüllten Becher und der toten Wasserschlange zurück zu Apollo. Dem erklärte er dann, dass er tagelang mit dieser furchtbaren Schlange habe kämpfen müssen, die ihm den Zugang zu der Quelle verwehrt habe, und dass er seinen Auftrag erst habe ausführen können, nachdem er die Schlange schließlich unter dem Einsatz seiner letzten ihm verbliebenen Kraft besiegt hätte. Apollo merkte jedoch sofort, dass der Rabe ihn belog, und so verbannte er voller Zorn den verlogenen Raben samt dem Becher und der Wasserschlange als Sternbilder an den Himmel, allen Raben zur Warnung. Die andere Erzählung bringt das Sternbild Hydra mit der zweiten Aufgabe des Herkules in Verbindung, die dieser im Auftrag seines Vetters, dem König von Mykene, auszuführen hatte. Herkules sollte das Ungeheuer Hydra töten. Diese Hydra war eine Giftschlange, die in einem unzugänglichen Sumpfgelände nahe der Stadt Lerna lebte. Sie war riesig, sie war kalt, und ihr Blut wie ihr Atem waren ein Gift, das jeden tötete, der damit in Berührung kam. Sie hatte neun Köpfe, von denen einer unsterblich war, und sie galt als unbesiegbar, denn für jeden Kopf, den man ihr abschlug, wuchsen ihr sofort zwei neue, Gift speiende Köpfe nach. Herkules trieb die Hydra zunächst mit Brandpfeilen aus ihrem Versteck. Dann griff er sie mit dem Schwert an. Doch wieviele Köpfe er dem Untier auch abschlug, es wuchsen ständig neue gierige Köpfe nach, mit denen die Hydra ihn zu beißen suchte. Herkules geriet dadurch immer mehr in Bedrängnis. Zu allem Überfluss kam ein riesiger Krebs aus dem Sumpf hervor, um der Hydra zu helfen und verbiss sich in den Fuß des Herkules. Herkules konnte den Krebs mit einem kräftigen Tritt zerstampfen. Doch nur durch die entschlossene Hilfe seines Neffen Iolaos, der die Stümpfe der frisch abgehackten Köpfe mit einer lodernden Fackel ausbrannte, konnte Herkules die Hydra schließlich töten. Auf Bitten der Hera versetzte Zeus den Krebs und die Hydra gemeinsam als Sternbilder an den Himmel. Heute ist das Sternbild Krebs jedermann bekannt, denn der Krebs ist ein Tierkreissternbild. Das Sternbild Hydra wird jedoch viel weniger beachtet, und das ist erstaunlich, denn es ist das größte Sternbild am Himmel. Im Norden grenzt das Sternbild Hydra an die Sternbilder Krebs, Sextant, Becher, Rabe, Jungfrau und Waage. Südlich der Hydra liegen die Sternbilder Zentaur, Luftpumpe und Kompass. Im Westen grenzt es an die Sternbilder Puppis, Einhorn und Kleiner Hund. Das Sternbild Hydra ist so groß, dass es fast sieben Stunden dauert, bis es vollständig aufgegangen ist. Ganz überblicken kann man es erstmals im Mai gegen Mitternacht. Seine Fläche beträgt 1303 Quadratgrad, doch trotz seiner Größe enthält es nur einen einzigen hellen Stern. Alle übrigen Sterne sind so lichtschwach, das es erstaunlich ist, dass ein so ausgedehntes Sternbild aus so lichtschwachen Sternen über so viele Jahrtausende erhalten geblieben ist, ohne in kleinere Sternbilder oder auf andere Sternbilder aufgeteilt zu werden. Den Kopf des Sternbilds Hydra bildet eine Gruppe von Sternen südlich des Sternbilds Krebs. Dieser Kopf besteht aus den Sternen Zeta, Delta, Epsilon, Eta und Sigma. Von dort setzt sich der Hals der Hydra über den Stern Theta bis zu einem einzeln stehenden, hellen Stern fort. Das ist Alphard, der "Einsame", der mit 2,0m hellste Stern des Sternbilds Hydra. Von Alphard aus zieht sich der Körper der Hydra als gewundene Sternenkette mit den Sternen Ypsilon, My, Ny, Xi, Beta, Gamma und Pi bis zum Stern 58 Hydrae hin. Am Himmel überspannt das Sternbild Hydra vom Kopf bis zur Schwanzspitze einen Winkel von 103°. Das Sternbild enthält viele Doppelsterne, die schon in kleineren Fernrohren mit Erfolg beobachtet werden können. Sehr schön ist Epsilon Hydrae, seine beiden unterschiedlich hellen Partner stehen in drei Bogensekunden Abstand voneinander. N Hydrae liegt 5° nördlich von Ny, seine beiden 6m hellen Partner haben voneinander einen Abstand von acht Bogensekunden. Schon im Fernglas einfach zu trennen ist der Doppelstern 27 Hydrae, der ca. 2° westlich von Alphard liegt. Im Fernrohr zeigt sich bei hoher Vergrößerung einer der Partnersterne von 27 Hydrae seinerseits doppelt. Ca. 4° westlich des 3,5m hellen Sigma Librae liegt der 3,6m helle Doppelstern 54 Hydrae. Seine beiden Partner können schon im Zweizöller getrennt werden. Ca. 3° nördlich der Mitte einer Linie von My Hydrae zu Ny Hydrae finden wir den Stern U Hydrae. U ist einer der rötesten und kühlsten Sterne, die man am Nachthimmel beobachten kann, seine Helligkeit schwankt unregelmäßig zwischen 4,5m und 6,2 m. Am Westrand der Hydra liegt der helle Sternhaufen M48. Wir finden ihn mit dem Fernglas ca. 3,5° südwestlich des 4m hellen Sterns C Hydrae. Eindrucksvoll ist im Fernrohr NGC 3242. Dieser große und 7m helle Planetarischer Nebel liegt ca. 2° südlich des 3,8m hellen Sterns My Hydrae. Größe und Form von NGC 3242 erinnern an Jupiter, der grünlich schimmernde Nebel heißt daher auch treffend "Jupiters Geist". Der Nebel sollte mit hoher Vergrößerung beobachtet werden. Verlängert man eine Linie von Algorab (Delta Corvi) über Kraz (Beta Corvi) um 3,8° über Kraz in südliche Richtung, kann man im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung den Kugelsternhaufen M68 beobachten. Das Sternbild Hydra enthält zahlreiche lichtschwache Galaxien, die jedoch nur in Teleskopen großer Öffnung erfolgreich beobachtet werden können. Die mit 7,6m hellste Galaxie im Sternbild Hydra ist M83, diese 10 Millionen Lichtjahre entfernte Spiralgalaxie erreicht beim Meridiandurchgang in unseren Breiten leider nur einen Horizontabstand von ca.10°. Daher braucht man eine günstige Beobachtungsposition und eine sehr klare Nacht, um diese Galaxie auch in kleineren Fernrohren beobachten zu können. |
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