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Das Sternbild Kepheus - Lat. Cepheus - Abk. Cep
Das Sternbild Cepheus ist eine Schöpfung der Astronomen der griechischen Antike. Es stellt Cepheus, den König von Äthiopien dar. Dieser Cepheus war jedoch nicht König des Landes, das wir heute als Äthiopien kennen. In der Antike war Äthiopien der Name eines Landes an der Küste von Palästina, das in der Gegend des heutigen Gaza lag.
Cepheus soll ein Ururenkel der schönen Io gewesen sein, nach der das Ionische Meer benannt ist, und die im alten Ägypten Io als die Göttin Isis verehrt wurde. Cepheus war mit Cassiopeia verheiratet, einer außerordentlich schönen und außerordentlich eitlen Frau. Cepheus hatte mit ihr eine hübsche Tochter mit Namen Andromeda. Königin Cassiopeia fand sich so schön, dass sie in aller Öffentlichkeit behauptete, dass sie schöner sei als jede der Nereiden, der für ihre Schönheit, ihr Temperament und ihren Liebreiz berühmten schwarzäugigen Töchter des Titanen Nereus. Diese Behauptung kam einer dieser Nereiden zu Ohren, die das sofort an ihre Schwestern weitergab, welche daraufhin empört zu Poseidon, dem Gott des Meeres eilten. Für Poseidon war das ein ziemlicher Auflauf, denn Nereus hatte weit über fünfzig schöne Töchter. Die Nereiden forderten vehement von Poseidon, dass er unverzüglich ein Exempel statuieren müsse, um dieser unverschämten Königin Cassiopeia ein für allemal das freche Mundwerk zu stopfen. Poseidon musste dem folgen, denn er war mit Amphitrite, einer der Nereiden, verheiratet. Daher ließ Poseidon das furchtbare Meerungeheuer Cetus frei, das fortan in den Gewässern vor Äthiopien sämtliche Schiffe angriff und zertrümmerte. Dadurch kam der lukrative Seehandel von und nach Äthiopien ebenso wie der Fischfang an den Küsten vollkommen zum Erliegen. Cetus überspülte zudem die Felder an den flachen Küsten weiträumig mit Salzwasser, wodurch auf dem versalzten Boden nichts mehr wuchs und die Ernten ausfielen. Die Menschen in Äthiopien gerieten in Not, wurden zornig und setzten Cepheus und Cassiopeia, die ja die Ursache für das Desaster war, mächtig unter Druck. Cepheus ließ daher beim Orakel von Ammon in Siwa fragen, was er tun könne, um das böse Untier los zu werden und seine Untertanen zu beruhigen. Das Orakel teilte ihm mit, er müsse seine Tochter Andromeda dem Cetus opfern, dann werde Poseidon den Cetus zurückziehen. So ließ Cepheus seine verzweifelte Tochter mit Ketten an einen Küstenfelsen bei Jaffa fesseln. Schon bald kam das Untier aus dem Meer hervor und näherte sich voll Vorfreude, um sich über den ihm zugedachten zarten Leckerbissen herzumachen. Doch zufällig kam da der Held Perseus an dem Küstenfelsen vorbei, an den Andromeda gefesselt war, verliebte sich augenblicklich in die arme Andromeda, zerriss ihre Ketten, tötete den wutschnaubenden Cetus mit kraftvollen Hieben seines scharfen, von Hephaistos geschmiedeten Zauberschwerts und forderte anschließend von Cepheus Andromeda zur Frau, und die Hälfte des Königreichs gleich dazu. Cepheus war einverstanden, obwohl er Andromeda längst seinem Bruder Phineus zur Frau versprochen hatte. Während des Hochzeitsbanketts von Perseus und Andromeda tauchte der zornige Phineus mit seinem bewaffneten Gefolge auf und verlangte von Perseus lautstark die sofortige Herausgabe von Andromeda. In dieser Situation verweigerte Cepheus dem erschrockenen Perseus im Streit mit Phineus jegliche Unterstützung. Es kam zu einem heißen Kampf gegen den Phineus und sein Gefolge, in dem Perseus schließlich, voller Wut und enttäuscht vom Verrat seines frischgebackenen Schwiegervaters, das todbringende Haupt der Medusa aus seinem Sack zog und es vor den Augen seiner Widersacher in die Höhe hielt. Der grässliche Anblick des Gorgonenhaupts tötete den Phineus und sein gesamtes Gefolge und verwandelte sie augenblicklich zu Stein. Danach Perseus verließ mit Andromeda Äthiopien und fuhr mit ihr zu seiner Mutter Danae, wo er mit Andromeda eine Familie gründete und fortan in einer wachsenden Kinderschar ein solides Eheleben ohne spektakuläre Heldentaten führte. Das Sternbild Cepheus ist am Himmel Mitteleuropas in jeder klaren Nacht sichtbar. Es liegt eingerahmt von den Sternbildern Schwan, Drache, Kleiner Bär, Giraffe, Cassiopeia und Eidechse. Unter den 88 Sternbildern nimmt es mit seiner Fläche von 588 Quadratgrad den 27. Rang ein. Doch obwohl das Sternbild recht ausgedehnt ist und zudem in jeder Nacht des Jahres beobachtet werden kann, wird das Sternbild von den Beobachtern sehr oft übersehen. Das Sternbild Cepheus enthält keine besonders hellen Sterne, doch auch unter dem Stadthimmel sind die hellsten Sterne des Sternbilds mit bloßem Auge zu sehen. Der hellste Stern im Cepheus ist mit 2,4m Alderamin (Alpha). Alderamin ist ein weißer Stern der Spektralklasse A7 mit 23 Sonnenleuchtkräften in 53 Lichtjahren Entfernung. In 5000 Jahren wird Alderamin am Himmel die Rolle des heutigen Polarsterns einnehmen. Ca. 7,6° nördlich von Alderamin liegt der 3,2m helle Alphirk (Beta). Alphirk ist ein blauer Riesenstern, ca. 900 Lichtjahre entfernt, mit 4000 Sonnenleuchtkräften. Alphirk zeigt sich im Fernrohr als Doppelstern, sein Partner ist ca. 8m hell und weiß. Ca. 11° nordöstlich von Alphirk liegt der 3,2m helle, rötliche Errai (Gamma), in 2000 Jahren wird Errai Polarstern sein. Der 3,5 m helle Iota Cephei liegt 11° südsüdwestlich von Errai, und 8° südlich von Iota liegt der 3,8m helle Delta Cephei. Delta ist ein berühmter, pulsationsveränderlicher Riesenstern und der Namensgeber der Delta-Cepheiden, die man auch kurz "Cepheiden" nennt. Delta ändert seine Helligkeit und seine Spektralklasse in einem regelmäßigen Wechsel, präzise wie ein Uhrwerk, wobei die Maxima der Helligkeit bei Delta Cephei in einem Abstand von 5,36634 Tagen aufeinander folgen. Im Jahre 1912 entdeckte die Astronomin Henriette Leavitt, dass die absolute Helligkeit von Cepheiden direkt von der Frequenz ihrer Lichtwechsel abhängt: je weiter die Maxima auseinander liegen, desto größer ist die absolute Helligkeit des Sterns. Wenn man die Dauer dieses Lichtwechsels genau misst, kann man die Entfernung des betreffenden Sterns und seine tatsächliche Leuchtkraft direkt über die Frequenz des Lichtwechsels bestimmen. Dadurch weiß man von Delta Cephei, dass er 1013 Lichtjahre entfernt ist und eine absolute Helligkeit von -2,9 aufweist. Delta Cephei ist ein Doppelstern, dessen blauweißer Begleiter eine Helligkeit von 6,3m hat und schon in kleinen Teleskopen mit schönem Farbkontrast getrennt vom eher gelblichen Delta gesehen werden kann. Ca. 2,5°südöstlich von Delta liegt der 3,3m helle gelbliche Stern Zeta, ein gelber Überriese mit über 5800 Sonnenleuchtkräften. Ca. 4° westlich von Alderamin liegt der 3,4m helle Eta. Eta ist 46 Lichtjahre entfernt. Der wohl röteste Stern im Cepheus ist der 4,5m helle µ Cephei, ein Roter Überriese der Spektralklasse M2, der ca. 1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Zeta nach Alderamin zu finden ist. My Cephei erscheint im Fernrohr rötlich wie ein Granat, weshalb sein Entdecker Wilhelm Herschel ihm den Namen "Granatstern" gab. Zieht man eine Linie von Alderamin nach Iota, liegt auf der Mitte dieser Linie der 4,3m helle Stern Xi Cephei. Xi ist ein schöner Doppelstern, die beiden 4,6m und 6,5m hellen Partner haben voneinander einen Abstand von 5 Bogensekunden. Die Sterne Alderamin, Alphirk, Errai, Iota und Delta bilden am Himmel ein Sternenmuster, das an eine etwas schiefe Ausgabe des "Hauses vom Nikolaus" erinnert. Xi Cephei markiert hierbei den Schnittpunkt der beiden Diagonalen im Haus. Circa 1,3° südwestlich von Xi liegt in 3000 Lichtjahren Entfernung der 5m helle, veränderliche Stern VV Cephei. VV ist ein Bedeckungsveränderlicher von absolut kolossalen Ausmaßen: Hier umkreisen einander ein Roter Überriese (VV Cephei A) und ein kleinerer, blauweißer Stern (VV Cephei B) einmal im 20,3 Jahren, wobei der Rote Überriese den kleineren Stern regelmäßig für 15 Monate vollständig verdeckt. VV Cephei A hat ca. 2,5 Milliarden km Durchmesser, eine Masse von ca. 100 Sonnenmassen und ca. 400.000 Sonnenleuchtkräfte. Der kleinere Stern, VV Cephei B ist ein Stern der Spektralklasse B0, mit 14 Millionen km Durchmesser und 100.000 Sonnenleuchtkräften, ganz ähnlich dem Stern Deneb im Schwan. Ein weiterer bemerkenswerter bedeckungsveränderlicher Stern im Cepheus ist U Cephei. Der 5,2m helle U steht hoch im Norden des Sternbilds und ist am Himmel leicht zu finden, indem man die Linie von Delta Ursae Minoris zum Polarstern über den Polarstern hinweg um 5,5° verlängert. Nach jeweils zwei Tagen, elf Stunden, 49 Minuten und 50 Sekunden fällt die Helligkeit von U für zwei Stunden auf 9,2m ab. Das Sternbild Cepheus liegt nahe der Milchstraße und enthält daher einige recht interessante Offene Sternhaufen. Zieht man eine Linie vom Polarstern nach Errai, liegt dort in einem Abstand von 4° zum Polarstern der Offene Sternhaufen NGC 188. Er enthält nur schwache Sterne, ist in kleinen Teleskopen oft gar nicht zu sehen und ist auch im Achtzöller nicht sehr auffällig. Mit seinem Alter von über sieben Milliarden Jahren ist NGC 188 jedoch der älteste bekannte Offene Sternhaufen der Galaxis. Deutlich jünger ist der Offene Sternhaufen NGC 7510, den man 1° nördlich der Mitte der Verbindungslinie von Zeta Cephei nach Beta Cassiopeiae auffinden kann. NGC 7510 ist ein kompakter Haufen, für dessen Beobachtung man Fernrohre ab acht Zoll Öffnung mit hoher Vergrößerung einsetzen sollte. Ca. 2,3° südwestlich von Eta Cephei liegt der Offene Sternhaufen NGC 6939. Bei niedriger Vergrößerung ist er in mittleren Fernrohren nur als ein nebliges Fleckchen zu sehen, bei höherer Vergrößerung im lichtstarken Fernrohr zeigt er eine dichte Gruppe schwacher Sterne. Wenn der Himmel dunkel und klar ist, kann man versuchen, südlich von NGC 6939 im lichtstarken Fernrohr bei niedriger Vergrößerung die ausgedehnte, aber matte Galaxie NGC 6946 zu beobachten. |
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