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Das Sternbild Kleiner Bär - Lat. Ursa Minor - Abk. UMi

Sternbild Kleiner Bär


Das Sternbild Kleiner Bär ist, wie der Name schon verrät, ein kleines Sternbild. Es liegt am nördlichen Sternhimmel zwischen den drei Sternbildern Cepheus, Giraffe und Drache. Der Kleine Bär ist schon seit der frühen Antike bekannt. Thales von Milet führte ihn um 600 v. Chr. in die Astronomie ein. Er lernte das Sternbild von den Phöniziern kennen, die es zum Navigieren auf dem offenen Meer benutzten. Das Sternbild enthält als seinen hellsten Stern den Polarstern, daher kann des Nachts jeder, der den Polarstern kennt, mit einem Blick zum Himmel sehen, in welcher Richtung Norden ist.

Zum Sternbild Kleiner Bär gibt es mehrere Geschichten.
Eine davon erklärt, wie es kommt, dass der Kleine Bär gemeinsam mit dem Großen Bären die einzigen Bären im Universum sind, die lange Schwänze haben. Erklärt wird dies mit einer Episode aus dem wild bewegten Liebesleben des Zeus. Der hatte die schöne Callisto, eine Priesterin der Diana mit seinem Göttercharme verführt. Callisto wurde schwanger und gebar den Arkas. Dadurch verlor Callisto zum einen wegen nachweislicher Unkeuschheit ihr Priesteramt und wurde von Diana aus dem Tempel verbannt. Das wiederum kam Hera, der Gattin des Zeus zu Ohren, und die kam sehr schnell dahinter, dass der Vater dieses kleinen Arkas niemand anderes als ihr Göttergatte war, und sie versuchte, Callisto und ihrem Kind mit aller Macht zu schaden. Zeus versuchte Callisto und Arkas vor der eifersüchtigen Hera zu verstecken, indem er die beiden in eine Bärin mit ihrem Bärenjungen verwandelte und im Wald versteckte. Doch Hera kannte ihren Zeus und kam seinem Treiben bald auf die Schliche, und so packte Zeus in seiner Not seine in eine Bärin verwandelte Geliebte Callisto an ihrem Bärenschwanz und schleuderte sie daran in den Himmel hinauf, wo sie vor Heras Rachsucht sicher war. Bei diesem Kraftakt wurde der Schwanz jedoch erheblich in die Länge gezogen. Auch den kleinen Arkas beförderte Zeus auf diese Weise hinauf in den Himmel, und auch dessen Schwanz nahm dabei sehr an Länge zu.
Seitdem findet man die beiden Bären dort als Sternbilder. Zeus setzte sie dabei an ein Himmelsareal, an dem diese Sternbilder niemals untergehen und niemals in einen Ozean eintauchen müssen.

Diese reizvolle Geschichte passt aber nicht ganz zum lateinischen Name des Kleinen Bären: "Ursa Minor". Auf Deutsch übersetzt heißt das "die kleinere Bärin": Der Kleine Bär ist offensichtlich gar kein Bärenjunge, sondern ein Bärenmädchen.

Bis weit ins 18. Jahrhundert nannte man in England den Polarstern "Cynosure". Dieser Name leitet sich vom lateinischen "cynosura" ab, und das bedeutet "Hundeschwanz". Der Schwanz des Kleinen Bären trägt an seiner Spitze den Polarstern. Der alte Name des Polarsterns legt nahe, dass das Sternbild Kleine Bär ursprünglich gar keinen Bären, sondern einen Hund verkörperte, welcher den Bärenhüter bei seiner unermüdlichen Verfolgung des Großen Bären am Nachthimmel begleitete. Als aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse der Himmelspol während der Antike in das Sternbild wanderte und sich dabei im Laufe der Jahrhunderte dem "Cynosure-Stern" näherte, bekam das Sternbild durch die neue Funktion seines Cynosure-Sterns als Polarstern eine besondere Bedeutung, die bis heute gilt und die noch in vielen Jahrhunderten gelten wird.

In der Liste der 88 offiziellen Sternbilder nimmt der Kleine Bär die 56. Position ein. Das Sternbild ist nicht sehr auffällig, am aufgehellten Stadthimmel sind in der Regel nur der Polarstern (Alpha), und die beiden Sterne Kochab (Beta) und Phercad (Gamma) zu sehen. Am dunklen Landhimmel sind in der Regel auch die schwachen Sterne des Kleinen Bären gut zu sehen.
Vier Sterne (Kochab, Phercad, Zeta und Eta bilden einen rechteckigen Kasten, an den eine lange, nach oben gebogene Kette aus den Sternen Epsilon, Delta und dem Polarstern als Abschluss hängt. Wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Großen Wagen nennt man das Sternbild Kleiner Bär volkstümlich auch den "Kleinen Wagen".

Der Polarstern ist mit 2,0m der mit Abstand hellste Stern im Kleinen Bären. Unter den hellsten Sternen des Himmels steht der Polarstern lediglich an der 47sten Stelle. Er ist ein Veränderlicher Stern der Spektralklasse F7 aus der Klasse der Cepheiden, seine Pulsationsfrequenz beträgt 3,9696 Tage, wobei seine Helligkeit nur noch um 0,01m schwankt. Der Polarstern leuchtet mit 5000 Sonnenleuchtkräften, seine Entfernung beträgt ca. 400 Lichtjahre.
Der Polarstern ist ein Doppelstern, sein bläulicher Begleiter steht in einem Winkelabstand von 18 Bogensekunden und hat eine Helligkeit von 8,6m. Die beiden Sterne bewegen sich miteinander in der gleichen Geschwindigkeit und Richtung durchs Weltall, mit einem gegenseitigen Abstand von ca. 300 Milliarden Kilometern. Spektroskopische Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass der Polarstern einen noch engeren Begleiter hat, der in alle 30,5 Jahre einmal umrundet.
Im Fernglas erkennt man dicht beim Polarstern eine Gruppe aus Sternen, die an einen Ring erinnern, auf welchen der Polarstern wie ein einzelner Edelstein leuchtet. Diese Sterne haben mit dem Polarstern physisch nichts zu tun, sondern stehen am Himmel zum großen Teil weit hinter dem Polarstern.

Der Polarstern befindet nicht genau am nördlichen Himmelspol, sondern hat davon zurzeit einen Abstand von ca. 1°, was am Himmel ungefähr zwei Vollmonddurchmessern entspricht. Aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse rückt der Himmelspol aber von Jahr zu Jahr näher an den Polarstern heran. Im Jahre 2102 wird der Abstand zum Pol auf 27 Bogenminuten schrumpfen, danach wandert der Himmelspol langsam wieder vom Polarstern weg und wird in einigen Jahrhunderten in das Sternbild Cepheus eintreten.

Kochab (Beta) ist mit 2,1m kaum schwächer als der Polarstern, ist aber kühler, näher und röter. Kochab ist ein Roter Riese mit 160 Sonnenleuchtkräften, 100 Lichtjahre von uns entfernt. Vor 3000 Jahren hatte Kochab die Funktion des Polarsterns.

Pherkad (Gamma) ist ein weißer Riesenstern mit 3,0m Helligkeit, Spektralklasse A3. Pherkad liegt in 270 Lichtjahren Entfernung, hat ca. 330 Sonnenleuchtkräfte und ist ein Veränderlicher Stern, dessen Helligkeit innerhalb weniger Stunden um ca. 0,1m unregelmäßig schwanken kann.

Das Sternbild Kleiner Bär enthält weder galaktische Nebel, noch Offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen oder sehenswerte Galaxien. Der einzige reizvolle Doppelstern des Sternbilds ist der Polarstern.

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