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Das Sternbild Krebs - Cancer - Abk. Cnc

Sternbild Krebs


Das Sternbild Krebs ist das unauffälligste Sternbild unter den zwölf Sternbildern des Tierkreises. Wenn man es am Himmel sucht, ist es schwer zu finden, weil es so unauffällig ist. Seine hellsten Sterne sind so schwach, dass sie nur in klaren Nächten fernab der Lichtglocken der Städte mit bloßem Auge erkennbar sind. Und wenn man es schließlich gefunden hat, fragt man sich bald, wozu dieses unauffällige Sternbild Krebs überhaupt geschaffen wurde.

Das Sternbild Krebs gibt es bereits seit der Antike. Es markierte damals die Stelle am Himmel, an der sich die Sonne zur Sommersonnenwende befindet. Dann steht die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis. Der nördliche Wendekreis wird deshalb nach dem Sternbild als "Wendekreis des Krebses" bezeichnet.
Heute finden wir die Sonne zur Zeit der Sommersonnenwende nicht mehr im Krebs, sondern in den Zwillingen, da sich die Lage des nördlichsten Bahnpunkts der Ekliptik am Himmel aufgrund der Präzession der Erdachse pro Jahr um 50 Bogensekunden nach Westen verschiebt.

Die Babylonier sahen in dem Sternbild keinen Krebs, sondern eine Schildkröte. Die Ägypter betrachteten das Sternbild als Abbild eines Skarabäus, dem Symbol der Unsterblichkeit. Bei den Chaldäern galt der Punkt der Sommersonnenwende als das Tor, durch das die Seelen der Menschen auf die Erde kommen, bevor sie geboren werden. Dadurch wurde der Punkt der Sommersonnenwende am Himmel zu einem wichtigen Ort und wurde vielleicht deshalb mit einem eigenen Sternbild versehen, obwohl es an diesem Bereich des Himmels keine hellen Sterne gibt.

Mittelalterliche Sternkarten zeigen an der Stelle des Sternbilds Krebs eine Wasserassel, später kamen Abbilder von Flusskrebsen und Hummern auf. Heutige Illustrationen des Sternbilds zeigen es als eine Krabbe.
Die Mythologie der griechischen Antike verbindet das Sternbild Krebs mit der Herkules-Sage. Als der Held in einem glitschigen Sumpf mit der Hydra, einem riesigen, Gift speienden Ungeheuer auf Leben und Tod kämpfte, kam ein mächtiger Krebs aus dem Morast hervor und griff Herkules von der Seite an. Herkules ließ sich von den gefährlich klaffenden Scheren des Untiers jedoch nicht ins Bockshorn jagen, sondern stampfte den Krebs entschlossen mit einem kräftigen Tritt zu Tode. Auf Heras Fürbitten versetzte Zeus den gescheiterten Krebs an den Himmel. Herkules tötete die Hydra mit Hilfe seines Freundes Iolaos, und diese kam an einer Position unterhalb des Krebses ebenfalls an den Himmel, sie ist das größte der 88 Sternbilder.

Eine andere Geschichte berichtet von Dionysos, dem vom Schicksal schwer geprüften Gott der Wonnen und des Dauerrauschs. Durch seinen anstrengenden Lebenswandel war Dionysos gar nicht gut zu Fuß und zudem nicht oft in der Lage, alleine den Weg nach Hause zu finden. Doch es gab zwei kleine Esel, die den erschöpften Gott nach seinen Gelagen stets sicher nach Hause brachten. Eines Tages jedoch geriet Dionysos mit seinen beiden Eselchen hilflos mitten ins Getümmel der großen Schlacht zwischen den Göttern und den Titanen. Die beiden Eselchen fingen in dem Durcheinander an laut zu schreien, und dieses ungewohnte Geräusch klang den Titanen so schrecklich in den Ohren, dass sie Hals über Kopf flohen und die Götter dadurch den Sieg davon trugen.
Zum Dank wurden die beiden Eselchen an den Himmel versetzt und stehen dort als die beiden Sterne Asellus Borealis (das "nördliche Eselchen") und Asellus Australis (das "südliche Eselchen") im Sternbild Krebs.

Das Sternbild Krebs liegt am Himmel zwischen den Sternbildern Zwillinge im Westen, Kleiner Hund im Südwesten, Hydra im Süden, Löwe im Osten und Luchs im Norden.

Mit seiner Fläche von 510 Quadratgrad steht das Sternbild in der Liste der 88 Sternbilder an 31. Position. Es ist ausgedehnter als jedes der bekannten Sternbilder Widder, Skorpion, Jagdhunde oder Großer Hund. Sein hellster Stern ist mit 3,5m Altarf (Beta). An zweiter Stelle kommt Asellus Australis (Delta), ca. 11° nordöstlich von Altarf. 3° nördlich von Asellus Australis liegt der nur 4,7m helle Asellus Borealis. Diese beiden Sterne sind ca. 220 Lichtjahre von uns entfernt. Ca. 7° nördlich von Asellus Borealis liegt der 4m helle Iota Cancri. Iota ist ein hübscher Doppelstern, die beiden 4,6m und 6,5m hellen Partner stehen 39 Bogensekunden auseinander und zeigen einen deutlichen Farbunterschied (gelb-hellblau).
Acubens (Alpha Cancri) ist mit 4m der vierthellste Stern im Sternbild Krebs. Auch Acubens ist ein Doppelstern. Seine beiden Partner sind weiß.

Der bekannteste Doppelstern im Krebs ist Tegmeni (Zeta Cancri). Dieser 5m helle Stern steht 7,6° östlich von Asellus Australis. Im Fernrohr kleiner Öffnung sieht man Tegmeni bei Vergrößerungen um 100fach als zwei 5,6m und 6m helle Sterne, die in 5 Bogensekunden Abstand voneinander stehen. In Fernrohren größerer Öffnung und langer Brennweite zeigt sich der hellere Stern seinerseits doppelt, die beiden Partner sind ca. 1 Bogensekunde voneinander entfernt und umlaufen einander einmal in 59,6 Jahren. Tegmeni ist 70 Lichtjahre von uns entfernt.

Das Sternbild liegt nahe zur Milchstraßen und enthält deshalb mehrere schöne Offene Sternhaufen. Der hellste von ihnen ist M44. Ist der Himmel klar und dunkel, erkennt man mit dem bloßen Auge nahe bei Asellus Australis ein zartes Nebelwölkchen, das schon bei den Astronomen der Antike unter dem Namen "Präsepe" bekannt war. Es stellte eine Futterkrippe dar, aus der die beiden Eselchen des Dionysos gemeinsam fressen. Hipparcos führte Präsepe in seiner Sternenliste um 130 v. Chr. als "kleines Wölkchen" auf. Im Fernglas und im Spektiv zeigt sich M44 als ein ausgedehnter Sternhaufen von doppeltem Monddurchmesser.
In der Antike diente die Präsepe als Anzeige für drohendes schlechtes Wetter. War sie am Sternenhimmel unsichtbar, drohte ein Unwetter: dann blieben die Schiffe im sicheren Hafen. Die wahre Natur der Präsepe wurde erst mit der Erfindung des Fernrohrs erkennbar.
Ein weiterer schöner Offener Sternenhaufen im Krebs ist M67. Er befindet sich 2° westlich des 4,3m hellen Sterns Acubens (Alpha Cancri). M67 ist groß und reich an Sternen, liegt 1500 Lichtjahre von uns entfernt und gehört mit einem Alter von 10 Milliarden Jahren zu den ältesten Offenen Sternhaufen der Galaxis.
Das Sternbild Krebs enthält darüber hinaus viele lichtschwache Galaxien und Galaxienhaufen. Die visuelle Beobachtung dieser Objekte erfordert jedoch einen sehr dunklen Himmel, eine hohe Transparenz der Luft, einen geschulten, ausgeruhten Beobachter, eine gute Vorbereitung auf die Beobachtung und zweckmäßigerweise ein Fernrohr mit mindestens 12 Zoll Öffnung.

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