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Das Sternbild Leier - Lyra - Abk. Lyr
Das Sternbild Leier ist eines der kleinsten Sternbilder am Himmel und ist seit der griechischen Antike bekannt. Das Sternbild stellt die erste Leier dar, die jemals gebaut wurde.
Der Sage nach baute sich Hermes, der Sohn des Zeus und der Göttin Maia, diese Leier als Kleinkind aus dem schön gemusterten Panzer einer Landschildkröte, die beim Spielen mit ihm zu Tode kam. Hermes reinigte den Schildkrötenpanzer, bohrte Löcher in den Rand, zog sieben Saiten aus gedrehtem Schafsdarm hindurch und spannte und stimmte sie. Sieben Saiten verwendete er aus Anhänglichkeit zu der sieben Plejaden, mit denen er über seine Mutter Maia direkt verwandt war. Der Klang dieser merkwürdigen und neuartigen Instruments muss faszinierend schön gewesen sein, denn Apollo, der Onkel des Hermes, tauschte es bei Hermes spontan gegen eine Herde seiner besten Zuchtochsen ein, nachdem er es einmal gehört hatte. Jahre später gab Apollo die Leier an seinen Sohn Orpheus weiter und lehrte ihn, wie man damit umgehen muss, und der musikalisch veranlagte Orpheus lernte dieses Instrument zu spielen wie kein Zweiter. Er spielte es so schön, dass die Tiere des Waldes, die Bäume, die Berge und selbst die Steine herbeikamen, um seinem Spiel zuzuhören. Orpheus war der Sage nach nicht nur ein wunderbarer Sänger, er gilt auch der Erfinder der Schrift, der Dichtkunst und der Medizin. Er durchzog viele Länder, und mit seiner Kunst zog er dort jedermann in seinen Bann, als ein Held, der seine Taten nicht mit blitzenden Waffen und Muskelkraft, sondern mit dem Zauber seiner Stimme, dem Klang seiner Leier und der Schönheit seiner Lieder vollführte. Wo immer Orpheus auftauchte, lag im die Frauenwelt hingebungsvoll zu Füßen. Das allerdings machte die Männer dieser Frauen neidisch, und wenn diese Männer zudem noch unmusikalisch waren, brachte das den Orpheus zuweilen in ernste Gefahr. Schließlich heiratete Orpheus die schöne Nymphe Eurydike. Bei der Hochzeitsfeier versuchte sein berauschter Vetter Aristaios jedoch, Eurydike zu vergewaltigen. Die entsetzte Eurydike floh in Panik, trat dabei im Garten auf eine Giftschlange, wurde von der Schlange gebissen und starb durch den Biss. Der von Schmerz und Trauer überwältigte Orpheus beschloss spontan, seine Gattin vom Tode zurück zu holen. Er wollte in die Totenwelt hinabsteigen und Eurydike befreien. Mit dem wunderbaren Klang seiner Leier verzauberte Orpheus tatsächlich sogar das kalte Herz des Hades, des Herrn des Totenreichs, und der erlaubte dem Orpheus, Eurydike aus dem Totenreich ins Land der Lebenden herauszuführen, Orpheus müsse jedoch vor seiner Eurydike hergehen, dabei ständig die Leier spielen und dürfe sich keinesfalls nach ihr umblicken, bevor sie beide das Tageslicht erreicht hätten. So führte Orpheus seine geliebte Eurydike aus dem Totenreich, doch seine Sehnsucht nach ihr war so groß, dass er nicht mehr abwarten konnte und sich zu früh nach ihr umsah. Dadurch verlor Orpheus seine Eurydike für immer. Nach dem endgültigen Verlust seiner geliebten Gattin mochte Orpheus nicht mehr singen und zog sich zurück. Orpheus starb der Sage nach im Gedränge seiner leidenschaftlichen Verehrerinnen, nachdem er ihnen in seiner tiefen Trauer die kalte Schulter gezeigt hatte. Sie fielen wie enttäuschte Furien über ihn her, rissen ihn in Stücke und warfen seine Körperteile zusammen mit der Leier in den Fluss Hesbos. Der noch immer singende Kopf und die Leier wurden später an den Strand der Insel Lesbos gespült. Nach dem Tod des Orpheus setzte Zeus die Leier zur Erinnerung an ihn als Sternbild an den Himmel. Obwohl es eines der kleinsten Sternbilder ist, wird das Sternbild Leier häufig beobachtet. Das liegt einerseits daran, dass es mit seinem Hauptstern Wega einen der hellsten Sterne des Sommerhimmels aufweist und daher am sommerlichen Nachthimmel leicht aufzufinden ist. Wega ist der Stern, der in mitteleuropäischen Breiten in den Monaten Juni bis September nach Sonnenuntergang im Zenit als erster Stern sichtbar wird. Andererseits enthält das Sternbild auch einige sehr sehenswerte Nebel und Doppelsterne. Wega ist ein 0,0m heller Stern der Spektralklasse A0 und einer der nächsten und jüngsten Sterne in unserer Sonnenumgebung. Direkt südlich von Wega erstreckt sich der kleine Sternenrhombus der Leier, bestehend einerseits aus dem Doppelstern Zeta Lyrae und dem Doppelstern Delta Lyrae, andererseits aus den beiden Sternen Gamma Lyrae und Sheliak (Beta Lyrae). Dieser Rhombus stellt den Rahmen der Leier dar, über dem die Saiten gespannt werden. Sheliak steht an der rechten unteren Ecke des Rahmens und ist ein veränderlicher Stern, dessen Veränderlichkeit 1783 von John Goodrike entdeckt wurde. Sheliaks Helligkeit variiert regelmäßig alle 12,9079 Tage zwischen 3,4 m und 4,1 m. Die Helligkeitsänderung von Sheliak kann man bei einem regelmäßigen Vergleich mit dem 2° südöstlich stehenden, 3,5 m hellen Gamma Lyrae sehr gut erkennen. Mal sieht Sheliak merklich heller als Gamma, mal zeigt sich Sheliak deutlich schwächer. Sheliak ist tatsächlich ein riesiger, leuchtkräftiger Doppelstern in 1000 Lichtjahren Entfernung, dessen Partner einander eng umkreisen und sich dabei regelmäßig gegenseitig verdecken, was die Ursache der regelmäßigen Helligkeitsänderung ist. Auf der Linie zwischen Beta und Gamma findet man mit dem Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen den kleinen Ringnebel M57. Dieser Planetarische Nebel wurde 1779 von dem französischen Astronomen Antoine Darquier entdeckt, er erschien seinem Entdecker im Fernrohr so groß wie Jupiter, aber sehr viel lichtschwächer als dieser, wie ein verblassender Planet. Wilhelm Herschel erfand für diese Art Nebel die treffende Bezeichnung "Planetarischer Nebel". M57 lässt sich im Fernrohr mit Erfolg hoch vergrößern und erscheint wie einen kleiner Rauchring vor dem schwarzen Himmel. Der 15 m helle Zentralstern von M57 wird nur in Fernrohren ab 12 Zoll sichtbar. Delta Lyrae steht an der linken oberen Ecke des Rahmens und ist ein weit geöffneter Doppelstern (Delta1 und Delta2). Im Fernrohr erkennt man im Gebiet um Delta2 Lyra eine Ansammlung von Sternen. Dies ist ein Offener Sternhaufen, der ca. 600 Lichtjahre entfernt liegt und etwa so alt ist wie die Plejaden. Zeta Lyrae an der rechten oberen Ecke des Rahmens ist ein Doppelstern. Die beiden Partner sind hell und weiß und stehen in 44 Bogensekunden Abstand voneinander. Ein weiterer beeindruckender Doppelstern der Leier ist Epsilon Lyrae. Wir finden diesen 3m hellen Stern ca. 1,5° nordöstlich von der Wega, Epsilon erscheint Beobachtern mit gutem Sehvermögen schon im bloßen Auge länglich. Im Fernglas sieht man Epsilon als Doppelstern: zwei weiße Partner mit schwarzem Zwischenraum. Bei höherer Vergrößerung im Fernrohr erscheint jeder der Partner ab 100facher Vergrößerung seinerseits doppelt. Epsilon besteht somit aus zwei Sternenpaaren. 7,5° östlich von Wega findet man den gelblichen 4,4 m hellen Theta Lyrae. In Fernrohren mittlerer Öffnung findet man ca. 1° südöstlich von Theta den kleinen Offenen Sternhaufen NGC 6791. Dieser kleine Haufen zeigt in Fernrohren größerer Öffnung eine beeindruckende Sternenzahl. In kleinen Fernrohren erscheint NGC 6791 jedoch nur als ein diffuses Nebelchen mit drei kleinen Sternen. |
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