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Das Sternbild Orion - Lat. Orion - Abk. Ori

Sternbild Orion


Orion ist ein markantes Sternbild des nördlichen Winterhimmels. Es liegt mitten auf dem Himmelsäquator, daher dominiert es auch in tropischen Gefilden in den Monaten von Oktober bis März den Nachthimmel. Es wird daher seit vielen Jahrtausenden beobachtet und ist dabei in vielen Kulturen Bestandteil ihrer Mythen und Legenden geworden.

Orion ist eines der 48 klassischen Sternbilder, die Claudius Ptolemäus um 150 n. Chr. in seiner Liste der Sternbilder beschrieb. Doch das Sternbild Orion gab es bereits lange vor Ptolemäus, denn Homer erwähnte es bereits um 700 v. Chr.
In der Mythologie des antiken Griechenlands erscheint Orion als ein riesiger, umwerfend gut aussehender, heldenhaft starker und geschickter Jäger, der jedoch zeitlebens nicht eine Heldentat zustande brachte und von Jugend an vorwiegend als unerschrockener Totschläger der Tierwelt und als chronischer Vergewaltiger junger Frauen von sich reden machte. Sein Vater war Poseidon, der Gott des Meeres, seine Mutter Euryale war eine Tochter des Minos, der seinerseits ein Sohn des Zeus und der Europa war. Die göttliche Abkunft machte Orion stark und schön, doch hatte er nicht die Gabe, mit seinen Talenten Sinnvolles anzufangen.
Orion warb um Merope, einer Tochter des Atlas, doch als seine Werbung nicht erhört wurde, vergewaltigte er sie. Zur Strafe für diesen Frevel stach man ihm die Augen aus, doch mit der Unterstützung des Hephaistos erlangte Orion seine Sehfähigkeit zurück. Fünf Jahre lang stellte er fortan Merope und ihren Schwestern nach, bis Zeus ein Einsehen hatte und sie alle als die Plejaden an den Himmel versetzte, um Merope und ihre Schwestern vor weiteren Nachstellungen des Orion zu schützen. Da die Plejaden für ihn nun außer Reichweite waren, versuchte Orion sein Glück bei Artemis, der Göttin der Jagd, doch auch hier mündete sein Streben in einem Vergewaltigungsversuch, dem sich Artemis voller Abscheu entzog.
Danach wird in den griechischen Sagen von Orion nur noch berichtet, dass er zu Tode kam. Über den Tod des Orion gibt es verschiedene Erzählungen. In einer kam Orion auf die Insel Kreta, wo er behauptete, er könne ganz locker jedes Tier zur Strecke bringen, das diese Insel bewohne. Voller Empörung über diese Worte ließ die Erdgöttin Gaia daraufhin einen Skorpion aus einer Erdspalte kriechen, der den Orion so in die Ferse stach, dass der große Jäger daran starb. Der Skorpion und der Orion wurden danach als Sternbilder so an den Himmel versetzt, dass sie hier nie gleichzeitig zu sehen sind: geht Orion unter, geht der Skorpion auf, und geht Orion auf, geht der Skorpion unter.
In einer anderen Fassung der Geschichte ist es nicht Gaia, sondern Artemis, die den Skorpion freisetzt, der den Orion tötet.
Homer schildert den Tod des Orion anders. Hier verliebt sich Eos, die Göttin der Morgenröte in den Orion. Als Artemis davon erfährt, erschießt sie den unter der Morgenröte weit draußen im Meer schwimmenden Orion mit einem gut gezielten Pfeil.

Arabische Astronomen nannten das Sternbild Orion „Al Jauzah“, was man als „Der Riese“ übersetzen kann. Im alten Ägypten sah man in dem Sternbild eine Verkörperung des Osiris, dem Gott der Unterwelt, dem Hüter des göttlichen Lichts und der Fruchtbarkeit der Feldfrüchte.
Die ältesten bekannten Erwähnungen des Sternbilds Orion stammen aus dem Zweistromland, der eigentlichen Wiege der Astronomie. In Ur sah man in dem Sternbild eine Verkörperung des Stadtgründers Gilgamesch aus der Zeit der Sintflut. In Akkad nannte man es um 2700 v. Chr. „Uru-Anna“, was „Licht des Himmels“ bedeutet. Aus dem Begriff „Uru-Anna“ wurde mit der Zeit „Aryan“. Als „Aryan“ bezeichneten sich die Eliten des persischen Großreichs. Im frühklassischen Griechenland wurde aus „Aryan“ der Name „Orion“.

Am Himmel ist Orion ist von den Sternbildern Stier, Zwillinge, Einhorn, Großer Hund, Hase und Eridanus umgeben und scheint sie alle zu dominieren. Dennoch ist der Orion kein besonders großes Sternbild. Mit seiner Fläche von 594 Quadratgrad ist es kleiner als die Sternbilder Adler, Fische, Drache oder Wassermann. Was den Orion vor allem auszeichnet, sind seine hellen Sterne, die zudem sehr markant angeordnet sind. Drei Sterne stehen nebeneinander in einer Reihe, sie markieren den Gürtel des Orion. Von links nach rechts sind das der 1,8m helle Alnitak (Zeta), der 1,7m helle Alnilam (Epsilon) und der 2,2m helle Mintaka (Delta). Jeder dieser Sterne ist ein B-Riesenstern mit mehreren zehntausend Sonnenleuchtkräften, ca. 1400 Lichtjahre entfernt. Links oberhalb der Gürtelsterne liegt der 0,4m helle Stern Beteigeuze (Alpha), ein Roter Überriese mit 40.000 Sonnenleuchtkräften in ca. 400 Lichtjahren Entfernung. Beteigeuze ist ein unregelmäßig veränderlicher Stern und eine der hellsten Infrarotlichtquellen des Nachthimmels. Er bildet im Sternbild die linke Schulter des Orion. Rechts oberhalb der Gürtelsterne liegt der 1,6m helle Bellatrix (Gamma), er bildet die rechte Schulter. Heka (Lambda) ist ein 3,5m heller, ca. 30.000°C heißer O-Riese in 1200 Lichtjahren Entfernung, er bildet den Kopf des Orion.
Rechts unterhalb des Gürtels markiert der 0,1m helle Rigel (Beta) den rechten Fuß des Orion. Rigel ist ein blauweißer Überriese mit 60.000 Sonnenleuchtkräften, der siebthellste Stern des Nachthimmels. Links unterhalb der Gürtelsterne liegt der 2,1m helle Saiph (Kappa), auch er ein blauweißer Überriese mit 50.000 Sonnenleuchtkräften, über 2500 Lichtjahre entfernt. Saiph markiert den linken Fuß des Orion. Unter den Gürtelsternen stellen die drei Sterne 42 Orionis, Theta und Saif (Iota) das so genannte „Schwertgehänge des Orion“ dar.
Bei Theta liegt der Orion-Nebel M42, der hellste Emissionsnebel des nördlichen Sternenhimmels. In M42 findet eine intensive Sternentstehung statt. Die Strukturen des Nebels sind sehr komplex und vielgestaltig, besonders bei Einsatz eines UHC-Filters. M42 ist in jedem Fernrohr und Fernglas eine Augenweide.
Sicher ist M42 das am meisten beobachtete Objekt im Orion. Doch es gibt im Orion noch viel mehr zu sehen. Z. B. NGC 2024, der „Flammnebel“: trotz seines Namens ist er keineswegs hell, man kann ihn im lichtstarken Fernrohr unmittelbar östlich von Alnitak (Zeta), dem östlichen Gürtelstern entdecken, wenn man es schafft, Alnitak außerhalb des Okulargesichtsfelds zu halten, da der helle Alnitak den Nebel sonst vollständig überstrahlt, Ein weiterer recht heller Reflexionsnebel ist M 78, der ca. 2,5° nordöstlich von Alnitak liegt. Hier liegt ein in eine Dunkelwolke eingehüllten Sternentstehungsgebiet, dessen blaue Sterne den Staub der Dunkelwolke beleuchten. Knapp nördlich von M42 ist der Reflexionsnebel M43 zu beobachten. Der Reflexionsnebel NGC1788 liegt knapp 2°nördlich von Cursa (Beta Eridani), bei guten Bedingungen und unter dunklem Himmel ist er auch im kleinen Fernrohr recht gut zu sehen.
Das Sternbild Orion bietet nicht nur zahlreiche helle Sterne und eindrucksvolle Nebel, sondern enthält auch viel beeindruckende Doppelsterne: z. B. Lambda (Kopfstern), Mintaka (rechter Gürtelstern), Alnitak, Eta Orions (liegt zwischen Mintaka und Rigel (Alpha)), und nicht zuletzt Rigel selbst. Sigma (direkt südlich von Alnitak) und Theta (im Orionnebel) sind Mehrfachsysteme: Sigma hat vier Komponenten, Theta besteht aus den beiden Sternen Theta1 und Theta2. Theta1 zeigt sich bei mittleren Vergrößerungen 4fach: diese vier Sterne sind das berühmte „Trapez“ im Orionnebel. Theta2 ist ebenfalls doppelt. Bei hohen Vergrößerungen und guter Himmelstransparenz zeigt Theta1 im Achtzöller sogar sechs Komponenten.

Wunderbar ist das Sternbild im lichtstarken Fernglas auf einem Stativ bei klarer Winternacht zu beobachten. Da kann die Menge und die Vielfalt der sichtbaren Sterne einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen.

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