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Die Sternbilder Rabe und Becher - Lat. Corvus und Crater - Abk. Crv und Crt
Diese beiden Sternbilder gehören zu den kleinsten und unscheinbarsten des Himmels. Dennoch sind diese Sternbilder schon seit über 2600 Jahren bekannt. Sie wurden von den griechischen Astronomen der frühen klassischen Antike erfunden.
In der Mythologie sind diese beiden Sternbilder eng miteinander verknüpft. Der Rabe war der Lieblingsvogel des Apollo, neugierig und aufmerksam, nie langweilig und nie um eine Ausrede verlegen. Eines Tages beschloss Apollo, seinem Vater Zeus ein würdiges Dankopfer zu bringen. Vermutlich hatte sich sein Papa auch nur schlicht zum Besuch angekündigt. Apollo schickte den Raben an einem heißen Tag aus, um Wasser von einer klaren, kühlen Quelle zu holen, die abseits in den Bergen lag. Der Rabe griff sich zu diesem Zweck einen großen, goldenen Mischkrug und flog los. Während der Rabe so flog und seine Bahn gerade am blauen Himmel zog, bemerkte er unter sich einen Feigenbaum, dessen fast reife Früchte dem Raben reizvoll in die Augen stachen. Daher kam es, dass der Rabe von seinem Weg ab schwenkte und sich unter den Zweigen des Baumes niederließ, um die Feigen zu probieren. Diese erwiesen sich aber als noch nicht ganz reif. Angesichts dieser fast reifen Früchte kam der Rabe auf den unglücklichen Gedanken, unter dem Baum so lange abzuwarten, bis die Feigen reif waren. Nach einigen Tagen waren die Früchte süß und saftig reif, und der Rabe der so lange gewartet hatte, schlug sich damit vergnügt und genüsslich den Bauch voll. Darauf packte er seinen goldenen Krug, flog zur Quelle, füllte den Krug mit frischem, kühlem Wasser, fing dabei eine kleine Wasserschlange ein, hackte sie zu Tode und flog mit dem Krug in den Krallen und der toten Schlange im Schnabel zurück zu Apollo. Der hatte tagelang vergebens auf den unzuverlässigen Raben gewartet und sich bei seinem Vater Zeus wohl mächtig blamiert, weil er ihm nicht das versprochene kühle Quellwasser hatte anbieten können. Als der Rabe sich niederließ, war Apollo stinksauer. Und nun erzählte der Rabe dem Apollo auch noch frech, dass sein Zuspätkommen durch diese grässliche Wasserschlange verursacht sei: die habe nämlich erst den Zugang zur Quelle mit drohendem Zischen versperrt und dann die ganze Quelle ausgetrunken, so dass der Rabe lange habe warten und mit der fürchterlichen Schlange habe kämpfen müssen, bis er die Schlange besiegen, den Krug füllen und mit vollem Krug und glücklich besiegter Schlange habe nach Hause fliegen und mit letzter Kraft habe landen können … Apollo war nicht nur der Sohn des Zeus, sondern ganz nebenbei auch der Gott des Wissens und der Weissagung. Dass dieser freche Rabe es wagte, ihn, den Gott der Weissagung so frech und unverfroren zu belügen, das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Apollo explodierte. Er verfluchte den Raben. Bis dahin waren Raben schneeweiße Vögel mit schönen Stimmen gewesen, die sprechen konnten. Der zornbebende Apollo nahm dem Raben die Fähigkeit zu sprechen. Er machte das weiße Gefieder des Raben rabenschwarz, und die klare Rabenstimme verwandelte er in ein raues Krächzen. Und er verbannte den Raben samt dem Krug mit dem Wasser darin von der Erde weg auf ewig an den Himmel: Dort kann man die beiden als die zwei Sternbilder Rabe und Becher noch heute dicht beieinander sehen. Der Becher befindet sich westlich des Raben und ist dabei so geneigt, dass der Rabe seinen Schnabel fast darin eintauchen und daraus trinken kann. Der Rabe bewegt sich am Himmel mit den Sternen nach Westen, auf den Becher zu. Aber mit der gleichen Geschwindigkeit wandert auch der Becher mit den Sternen vor dem Raben nach Westen. Daher kann der Rabe den Becher nie erreichen, kann seinen quälenden Durst nie löschen und kann bis heute nur heiser krächzen. Und so sind seitdem alle Raben schwarz, und seitdem können alle Raben nur noch krächzen, obwohl sie zu den Singvögeln gehören. Die beiden Sternbilder Rabe und Becher liegen am Himmel dicht nebeneinander zwischen den Sternbildern Jungfrau und Hydra. Das Sternbild Becher (lateinisch: Crater) ist flächenmäßig ähnlich groß wie das bekannte Sternbild Leier, und das Sternbild Rabe (lateinisch: Corvus) ist flächenmäßig etwa so groß wie das markante Sternbild Delfin. Am Himmel zeigt sich das Sternbild Rabe als ein trapezförmiges Viereck, dessen Ecken von vier hellen Sternen gebildet werden. Die Form dieses Vierecks ist unverwechselbar. Wo immer das Sternbild Rabe sichtbar ist, ist es an der Form seines Vierecks leicht zu erkennen, und wenn man weiß, welche Sternbilder nördlich und südlich des Raben liegen, kann man sich mittels des Raben von jedem Ort der Welt aus, von dem aus der Rabe sichtbar ist, am Nachthimmel orientieren. Am Südhimmel ist der Rabe für alle Sternfreunde eine große Hilfe, die sich nur mit den Sternbildern des Nordhimmels auskennen. An der nordwestlichen Ecke des Rabenvierecks befindet sich der Stern Gienah, ein blauweißer Riesenstern in ca. 150 Lichtjahren Entfernung. Mit einer Helligkeit von 2,6m ist Gienah (Gamma Corvi) einer der hellsten Sterne im Raben, sein Name bedeutet "Flügel"). Algorab (Delta Corvi) ist 2,9m hell und markiert die nordöstliche Ecke des Rabenvierecks. Algorab (vom arabischen Wort für "Rabe" abgeleitet) ist ein schöner Doppelstern, dessen beide unterschiedlich hellen und verschiedenfarbigen Partner in einem Abstand von 24 Bogensekunden voneinander stehen. An der südöstlichen Ecke liegt der 2,6m helle gelbliche Kraz (Beta Corvi). An der südwestlichen Ecke liegt der 3,0m helle, rötlich leuchtende Minkar (Epsilon Corvi). Er bezeichnet im Sternbild den Schnabel des Raben. Ca. 2,5° südöstlich von Gienah liegt der 10,5m helle Planetarische Nebel NGC 4361. Der Nebel ist rundlich und hat einen Durchmesser ca.1,8 Bogenminuten. Bei einer Vergrößerung von 50x ist er bereits gut als Nebel zu erkennen, bei höheren Vergrößerungen ist in lichtstarken Fernrohren der 13m helle Zentralstern sowie eine innere Schalenstruktur um den Zentralstern zu erkennen. An der Grenze zum Sternbild Jungfrau liegt die 8,6m helle Galaxie M104, die auch unter dem Namen "Sombrerogalaxie" bekannt ist. Die als "Antennengalaxie" bekannte Galaxie NGC 4038 liegt 3,5° westsüdwestlich von Gienah, ihr Kernbereich ist in lichtstarken Amateurteleskopen ab 10 Zoll Öffnung bei günstigen Bedingungen während der Kulmination Ende März beobachtbar. Obwohl das Sternbild Becher größer ist als das Sternbild Rabe, ist es unauffälliger, denn es enthält nur relativ lichtschwache Sterne. Delta Crateris ist mit seiner Helligkeit von 3,5m der hellste Stern im Becher. Ca. 3° südöstlich von Delta liegt der 4,1m helle Stern Gamma Crateris. Gamma ist ein Doppelstern, dessen Partnersterne in einem Abstand von 5,6 Bogensekunden voneinander stehen (der Hellere weiß, der Schwächere bläulich). Der deutsche Name "Becher" für das Sternbild ist eigentlich etwas irreführend. Der lateinische Name "Crater" ist hier sehr viel treffender. Die Anordnung der Sterne in diesem Sternbild ähnelt nämlich einem "Krater", in der Antike war das die Bezeichnung für ein großes Mischgefäß für Wein und sonstige Getränke. Damals trank man den edlen Wein nicht pur, sondern verdünnte ihn im Krater mit Wasser und mischte Essig, Honig und allerlei Gewürze und Kräuter hinzu. Dann rührte man um und schöpfte das Gemisch mit einer Kelle in einen Kelch, ganz ähnlich wie man das heute noch mit einer Bowle macht. Krater waren imposante Gefäße, reich verziert und aus kostbaren Metallen aufwändig gefertigt, die große Flüssigkeitsmengen aufnehmen konnten, sie waren Statussymbole der Reichen und Einflussreichen. Denn mit einem großen, imposanten Krater konnte man bei seinen Gästen im buchstäblichen Sinn großen Einfluss ausüben. Wie alle Sternbilder, die abseits der Milchstraße liegen, bieten die Sternbilder Rabe und Becher viele lichtschwache Galaxien, die in der Tiefe des Weltraums verborgen liegen. In klaren, mondlosen Frühjahrsnächten kann man diese Galaxien in Fernrohren ab 12 Zoll Durchmesser mit Erfolg beobachten. |
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