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Das Sternbild Wassermann - Lat. Aquarius - Abk. Aqr

Sternbild Qassermann


Mit dem Wassermann aus den deutschen Märchen (grünhäutig, griesgrämig, ständig pitschnass und nach altem Fisch duftend) hat das Sternbild Wassermann nichts gemein. Das Sternbild soll vielmehr an den schönsten Menschen erinnern, der der griechischen Mythologie zufolge je auf Erden gelebt haben soll: den Knaben Ganymed, der ein Sohn des ersten Königs von Troja war. Der schöne Ganymed hütete brav die Ziegen seines Vaters, als Zeus vorbeikam, ihn erblickte und schnurstracks in den Olymp entführte. Dort wurde Ganymed die Unsterblichkeit verliehen, er musste Mundschenk der Götter werden und hatte auf ewig die Aufgabe, den Göttern auf Zuruf Nektar einzuschenken. Kein Mitglied seiner Familie sah Ganymed jemals wieder. Auf den alten Sternkarten wird der Wassermann als gelockter Knabe dargestellt, der eine Flüssigkeit aus einem Kelch in das klaffende Maul des Südlichen Fisches fließen lässt. Ob es sich bei der Flüssigkeit um den göttlichen Nektar handelt und wieso diese Flüssigkeit in das Maul eines Fisches (Stern Formalhaut im Sterbild Piscis Austrinus) fließt, bleibt rätselhaft. Das Sternbild ist vermutlich viel älter als es die mythologischen Erklärungen aus der griechischen Antike sind, die man heute dazu kennt. Das Wissen über die ursprünglichen mythologischen Wurzeln dieses Sternbilds ist vermutlich schon in der Antike verloren gegangen.

Das Sternbild Wassermann gehört zu den zwölf klassischen Tierkreissternbildern. Als Tierkreissternbild ist es ein bedeutsames Sternbild, weil die Sonne, der Mond und die Planeten regelmäßig hindurch wandern.
Die Ost-West-Ausdehnung des Sternbilds beträgt 48 Grad und seine Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 27 Grad. Mit seiner Fläche von 980 Quadratgrad nimmt der Wassermann unter den 88 modernen Sternbildern somit den neunten Rang ein.

Schaut man sich das Areal des Wassermanns am Nachthimmel an, sieht man darin viele Sterne mittlerer Helligkeit. Die Figur eines Knaben ist in der Anordnung dieser Sterne am Himmel nicht erkennbar. Daher fällt es dem Beobachter schwer, sich im Sternbild Wassermann zurechtzufinden. Dem "Knaben" fehlt im Sternbild der Kopf, seine Beine erscheinen darin viel zu kurz, die Arme jedoch sind übermäßig lang. Wenn Ganymed so ausgesehen hat wie uns das die Anordnung der Sterne in seinem Sternbild nahe legt, müssen damals die Begriffe von Schönheit und Ebenmaß andere Inhalte gehabt haben als heutzutage.

Der 2,9 m helle Sadamelik (Alpha) steht ca. elf Grad südsüdöstlich des hellen Sterns Enif (Epsilon Pegasi). Sadamelik stellt die linke Schulter dar. Der 3m helle Sadalsuud (Beta) repräsentiert den linken Ellenbogen. Der 3,8 m helle Albali (Epsilon) steht für das linke Handgelenk. Der 3,8 m helle Sadachbia (Gamma) repräsentiert das Brustbein und der 4 m helle Eta und der 3,6 m helle Zeta stehen für die rechte Schulter. Der 3,7 m helle Lambda markiert die Position des rechten Ellenbogens, der 4,2 m helle Phi die des rechten Handgelenks.
Ancha (Theta) markiert die Position der Hüfte, Sigma die des rechten Oberschenkels, Skat (Delta) den rechten Fuß. Chi, Psi1, Psi2 und Psi3 stellen den Kelch dar, aus dem sich die Flüssigkeit ergießt, die im weiten Bogen über Omega Aquarii, und weiter über die Sterne 98, 88 und 86 Aquarii hin zum 1,2 m hellen Formalhaut im Südlichen Fisch strömt.

Das Sternbild Wassermann enthält einige sehr schöne Deep-Sky-Objekte. Der helle Kugelsternhaufen M2 liegt 4,6 Grad nördlich von Sadamelik. Er ist schon im kleinen Fernrohr zu sehen. Den als "Saturnnebel" bekannten Planetarischen Nebel NGC 7009") findet man 1,3 Grad westlich des 4,5 m hellen Sterns Ny Aquarii. Zur Beobachtung von NGC 7009 braucht man ein Fernrohr mit 15 cm Öffnung. Der kleine Kugelsternhaufen M72 liegt 3 Grad westsüdwestlich von NGC 7009. M72 ist schon im kleinen Fernrohr zu erkennen. Der "Helixnebel" NGC 7293 ist der größte Planetarische Nebel am Himmel. Er befindet sich im südlichen Bereich des Sternbilds. Zum Aufsuchen geht man von Skat (Delta) aus. 4 Grad südwestlich von Skat liegt der 4 m helle Stern 66 Aquarii. Geht man von 66 Aquarii weiter nach Südwesten, stößt man nach 2,8 Grad auf den 5,2 m hellen Stern Ypsilon Aquarii, und 1,2 Grad westlich von Ypsilon Aquarii befindet sich der ausgedehnte, aber lichtschwache Helixnebel. Man kann den Nebel nur unter einem dunklen und klaren, möglichst mondlosen Himmel erkennen, zur Beobachtung reicht ein Fernglas 7 x 35 mm aus. Für das kleine Gesichtsfeld eines Fernrohrs ist der Nebel viel zu groß.
Ca. 1 Grad nordöstlich des 4,2 m hellen Sterns Phi2 Aquarii liegt die kleine ovale Galaxis NGC 7606. Für die Beobachtung von NGC 7606 sollte man ein Fernrohr ab 20 cm Öffnung einsetzen.

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