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Das Sternbild Widder - Aries - Abk. Ari

Sternbild Widder


Der Widder ist ein kleines, aber markantes Sternbild, das zwischen den Sternbildern Dreieck, Perseus, Stier, Walfisch und Fische liegt. Es war schon in Babylon unter dem Namen Widder bekannt, und auch in Persien, im alten Ägypten und bei den Minoern führte es diesen Namen in der jeweiligen Landessprache. Über Griechenland kam das Sternbild nach Rom, und die römischen Astronomen gaben ihm den lateinischen Namen "Aries" (=Widder).

Zur Erklärung des Namens des Sternbilds wurden aus der Antike unterschiedliche Sagen überliefert.
Eine führt den Namen des Sternbilds auf Zeus zurück, der sich auf der Flucht vor den übermächtigen Titanen in einen Widder verwandelte. Demzufolge stellt das Sternbild Zeus in Gestalt eines Widders dar.
In einer anderen Erzählung berichtet der römische Schriftsteller Hygenius, wie Bacchus, der Gott des Weines, sich aus unerfindlichen Gründen mit seinem munteren Gefolge in den Weiten der lybischen Wüste verirrte. Schon bald plagte alle in dieser ausgedörrten Einöde ein fürchterlicher Durst. Doch glücklicherweise trafen sie auf einen freundlichen Widder, der sie geduldig zu einer kühlen Felsenquelle führte und dadurch vor dem sicheren Tod errettete. Zum Dank für die glückliche Rettung versetzte Bacchus den Widder an den Himmel.
Mehrere andere Sagen erzählen vom Königssohn Phrixos und seiner Schwester Helle. Ihr Vater Athamas war König von Bootien, hatte ihre Mutter Nephele verstoßen und statt ihrer die reizvolle, junge Ino, eine Tochter des Königs von Theben, geheiratet. Ino wollte ihre zukünftigen eigenen Kinder als Thronfolger sehen und beschloss deshalb, die Kinder Nephele´s aus dem Weg zu räumen. Hierbei ging sie mit Umsicht vor. Zunächst vergiftete sie das Saatgetreide, wodurch es im darauf folgenden Jahr zu einer Missernte und einer Hungersnot kam. In dieser bedrängenden Situation riet Ino ihrem Gatten, ein Orakel zu befragen, damit er für das Volk durch den Spruch des Orakels einen Ausweg aus der Not finden könne. Die Antwort dieses Orakels hatte Ino jedoch schon selber festgelegt: Der Vater müsse seinen Sohn Phrixos opfern.
Aufgrund des Orakelspruchs ging Athamas daher mit seinen Kindern auf den Gipfel eines hohen Berges, errichtete dort aus Feldsteinen einen Altar und schickte sich an, den Phrixos darauf zu opfern.
Doch da erschien durch Nepheles Hilfe ein großer Widder mit einem leuchtend goldenen Fell und rettete die Kinder. Sie kletterten flink auf den Rücken des Widders und der flog mit ihnen hoch durch die Wolken, nach Osten. Als sie die Meerenge zwischen Europa und Asien tief unter sich liegen sahen, wurde es Helle davon übel, sie verlor den Halt auf dem Widderfell und stürzte hinab ins Meer, wo sie ertrank. Die Meerenge heißt seitdem "Hellespont". Der Widder flog mit Phrixos auf seinem Rücken weiter bis nach Kolchis, wo Phrixos gastlich aufgenommen und der Widder den Göttern geopfert wurde. Sein goldenes Fell wurde, von einem Drachen bewacht, im heiligen Hain des Kriegsgottes Ares ausgestellt. Phrixos heiratete Chalkiope, die Tochter des Königs von Kolchis. Jahre später stahl Jason mit der Hilfe ihrer Schwester Medea und das unter dem Namen "Goldenen Vlies" weithin berühmte Fell und brachte es nach Griechenland zurück.

In der Liste der 88 Sternbilder nimmt das Sternbild Widder mit seiner Fläche von 441 Quadratgrad den 39. Platz ein. Es gehört zu den klassischen Tierkreissternbildern: jedes Jahr wandert die Sonne im April und Mai durch das Sternbild. In der Antike passierte sie hier zum Frühlingsanfang den Himmelsäquator nach Norden, und so lag hier der Ursprung des himmlischen Koordinatensystems. Aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse liegt dieser Punkt heute im Sternbild Fische.

Der hellste Stern im Sternbild Widder ist Hamal. Der 2m helle Hamal (Alpha Arietis) bezeichnet im Sternbild den Widderkopf, er ist ein Roter Riese mit 70 Sonnenleuchtkräften, 75 Lichtjahre von uns entfernt. Der Name Hamal wurde die Vorlage für das deutsche Wort "Hammel", was gleichbedeutend mit "Widder" ist. 4° südöstlich von Hamal steht Sheratan (Beta Arietis), er ist 2,65m hell und 52 Lichtjahre von uns entfernt. Der 3,6m helle Mesarthim (Gamma Arietis) befindet sich 1,5° südlich von Sheratan. Mesarthim ist ein schöner Doppelstern, der schon im kleinen Fernrohr eindrucksvoll aufgelöst werden kann, die beiden Partner sind gleich hell. Mesarthim ist 160 Lichtjahre entfernt. Auch der 5m helle Pi Arietis ist ein Doppelstern, er liegt 9,7° südlich von Hamal. Die beiden blauweißen Partner sind 5,5m und 8m hell und stehen in einem Abstand von 3 Bogensekunden voneinander. Pi Arietis ist 600 Lichtjahre von uns entfernt.
Das Sternbild Widder enthält weder Offene Sternhaufen, noch Planetarische Nebel oder Kugelsternhaufen. Daher kann man in diesem Sternbild ganz ungestört von den Dunkelwolken und Sternhaufen der Milchstraße in die Tiefen des Alls blicken und weit entfernte Galaxien beobachten. Ca. 1,5° östlich vom Mesarthim liegt die 10,5m helle Spiralgalaxis NGC 772. Sie wurde 1785 von Wilhelm Herschel entdeckt. NGC 772 misst am Himmel 7 x 3 Bogenminuten und liegt in einer Entfernung von 100 Millionen Lichtjahren.
Besitzer lichtstarker Fernrohre mit großer Öffnung können im Sternbild Widder Hunderte von Galaxien ab 11m Helligkeit aufspüren.

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